nikon z 6 - meine ersten erfahrungen


Seit ich die D500 benutze, ist sie für mich das Maß der Dinge. Darum wartete ich seitdem auf das Erscheinen einer gleichwertigen Kamera im Vollformat, besonders bezogen auf die Abdeckung des Bildfeldes durch den Autofokus und die ISO-Leistung. Die maximalen ISO-Werte meiner D800 reichen für einige meiner Anwendungen leider nicht immer aus.

   Die Nachfolger der D800 habe ich alle mit Interesse verfolgt, doch waren die Unterschiede für einen Wechsel zu gering, oder sie waren preislich, wie die D850, einer anderen Liga entstiegen.

   Anhand der Sony Alpha 7Riii erfuhr ich erstmals, welche Stärken eine DSLM mit sich bringen kann, doch steht ein kompletter Wechsel des Systems schon aus Kostengründen für mich nicht zur Debatte. 

Dann kündigte Nikon die Z-Serie an und versprach mir die Erfüllung meiner sehnlichsten Wünsche. Preislich verursachte die Z 7 zunächst Schnappatmung. Allerdings ist sie mit 45 MP Auflösung für mich ebenso überdimensioniert, wie die D850. Nur die wenigsten meiner  Objektive würden den Anforderungen dieser beiden Spitzenmodelle standhalten.

  Doch da ist ja noch die kleine Schwester, die Z 6. Mit ihren 24,5 MP Auflösung, die für mich vollkommen ausreichen, würde sie keine zu hohen Ansprüche an meine Linsen stellen. Und sie sollte, was die ISO-Leistungen angeht, gegenüber der Z 7 sogar noch im Vorteil sein. Preislich liegt sie in dem Bereich, in dem auch die D800 gestartet war. Damit war meine Neugier geweckt. 


erster eindruck


Zwei Dinge sind für mich bei einer Kamera ganz entscheidend: ihre Ergonomie und die Qualität des Suchers.

   An einer DSLR mag ich ausgeprägte Griffe. Auch wenn meine Hände nicht die größten sind, arbeite ich dennoch gerne mit zusätzlichem Batteriegriff. Alle mir bisher bekannten spiegellosen Kameras waren mir im Vergleich dazu zu fipsig und nicht gut zu greifen, schon gar nicht mit einem größeren Objektiv davor.

   Die Bauform der Z-Serie hat mich direkt angesprochen. Der Griff liegt sehr gut in der Hand. Trotz ihrer relativ geringen Größe greift sich die Z 6 schnell und sicher. Sie hat ein angenehmes Eigengewicht und das Material fühlt sich sehr wertig an. 

   Das Sucherbild ist mir wichtig, da ich fast ausschließlich durch den Sucher fotografiere. Alle elektronischen Sucher die ich bis heute ausprobierten konnte, haben mich mit ihrer "pixeligen" Wiedergabe stark irritiert. Bei manchen Herstellern wird das Sucherbild zusätzlich durch die Informationsanzeigen nahezu überlagert. Dort kann ich mich nicht ausreichend auf mein Motiv konzentrieren.

   Bei der Z 6 erkenne ich den Unterschied zum analogen Sucher nur noch am helleren Sucherbild. Alle Anzeigen liegen gut erkennbar am oberen und unteren Rand des Suchers und stören den Bildeindruck nicht.

   Alles in allem liefert die Z 6 einen sehr stimmigen ersten Eindruck, der mich persönlich angeregt hat, mich näher mit ihr zu befassen.

Grössenvergleich Z 6+24-70 f/4.0 S und D800+24-70 f/2,8 G
Grössenvergleich Z 6+24-70 f/4.0 S und D800+24-70 f/2,8 G

Ein deutlicher Größenunterschied liegt zwischen der Z 6 und der D800, jeweils mit angesetztem 24-70 mm Objektiv . Wem die alte Kombination zu groß oder zu schwer gewesen ist, wird an der der Z 6 mit 24-70 mm S seine Freude haben.

   Mit nur 1.250 g Gesamtgewicht bringt die Z 6-Kombi 846 g weniger auf die Waage als die D800 und wiegt so nur wenig mehr als das 24-70 mm f/2.8 G alleine! Das macht sich in jedem Gepäck angenehm bemerkbar! Erfreulich: Nikon ist beim 24-70 f/4.0 dem 72 mm Filterdurchmesser treu geblieben!


erste schritte


Sehr erfreulich: Nikon hat beim Menü wie bei den Bedienelementen darauf verzichtet, sich neu zu erfinden und ganz auf Bewährtes bzw. Vertrautes gesetzt. Das Durcharbeiten des Menüs fällt jedem leicht, der schon einmal eine Nikon-DSLR in der Hand hatte.

   Und doch hat eine Sache kurz für Herzrasen gesorgt: plötzlich blieb der Monitor schwarz! "Kaputt", dachte ich ungläubig. Für die Anzeige gibt es jedoch neuartige Modi, wie "nur Sucher" oder "nur Monitor". Wählt man einzig ersteren aus, braucht man sich in der Folge nicht wundern, dass der Monitor schwarz bleibt. Wählt man mehrere Modi gleichzeitig aus, kann man mit der neuen "Monitormodus-Taste" links neben dem Sucher zwischen den Modi hin und her schalten. Dort stellte ich, ohne es zu merken, auf "nur Sucher" um. So vergingen einige Schrecksekunden, bis die Ursache gefunden war. Die Z-Serie stellt mit einem kleinen Sensor über dem Okular fest, ob der Sucher benutzt wird und aktiviert dann erst die Anzeige. Setzt sich hier ein Fussel fest, bleibt der Sucher ebenfalls schwarz. Also erst einmal Ruhe bewahren :)

  Der große, klappbare Monitor erleichtert die Bedienung. Der neue Touchscreen ist ein Genuss und gegenüber der D500 endlich voll funktionsfähig! Die wichtigsten Punkte lassen sich schnell in das persönliche Menü einstellen. Leider hat die Z 6 keine FN2-Taste wie die D500, mit der man das persönliche Menü direkt aufrufen kann. Solange das persönliche Menü das zuletzt aufgerufene war, erscheint es aber ohnehin immer als erstes.

Die Gitternetzlinien lassen sich wie bisher im Sucher anzeigen. Die Horizontanzeige im Sucher, wie ich sie bei den DSLRs gerne benutze, suchte ich jedoch erfolglos. Die Anleitung verweist auf die Benutzung der "Disp"-Taste. Nach zweimaligem Drücken erscheint die bekannte Wasserwaage auf dem Monitor. Und, bei einem spiegellosen System  auch nicht anders zu erwarten, auch so im Sucher.

   Das mag sehr effektiv sein, allerdings ist es auch sehr dominant in der Darstellung. Die alte Variante mit den Linien am Bildrand des Suchers überdeckt das Motiv nicht, was mir persönlich deutlich mehr gelegen hat.

   Das "PSAM"-Rad ist eine Reminiszenz an das Design der analogen Kameras. Ich werde es kaum je nutzen, da ich nahezu ausschließlich in "A" fotografiere. Das Rad ist erfreulicherweise durch die mittige "Entriegelungstaste" vor ungewolltem Verstellen gesichert. Das war bei Nikon nicht immer so.

   Die Einstellungen, die sonst an dieser Stelle zu finden waren, sind in das Menü verlagert worden. Per Druck auf die "i-Taste" werden sie schnell und übersichtlich auf dem Monitor angezeigt und können, in viel größerem Umfang als bisher, dank des voll funktionsfähigen Touchscreens, direkt verändert werden, ohne die Wippe benutzen zu müssen. Die Auswahl der angezeigten Menüpunkte ist obendrein frei konfigurierbar! Ich finde, besser geht es nicht! Ganz besonders bei Dunkelheit ist dies für mich die konsequenteste, übersichtlichste und durchdachteste Bedienweise aller bisherigen Nikon-Kameras!


das erste bild


Ich sass bei Kerzenschein im Wohnzimmer und wollte testen, was bei dem wenigen Licht fotografisch möglich ist. ISO hoch, Stabi und Autofokus an. Und ich war überrascht! Das Motiv war im Sucher einwandfrei und fast wie ausgeleuchtet zu erkennen. Der Autofokus griff zügig und präzise.

   Mehr aus Spieltrieb hatte ich die ISO auf 12.800 hochgedreht und damit gerechnet, dass das Motiv im Rauschen untergeht. Doch dem war nicht so. Was ich zu sehen bekam, entsprach dem Ergebnis, wie ich es bei der D800 bei ISO 3.200 erwarten würde.  

   Nach diesem für mich unerwarteten Ergebnis freute ich mich umso mehr auf die erste Gelegenheit, die Z 6 ausführen und ausgiebig testen zu können.

Nikon Z6, 24-70 mm S, 70 mm, ISO 12.800, F/4, 1/13 sek. out of cam
Nikon Z6, 24-70 mm S, 70 mm, ISO 12.800, F/4, 1/13 sek. out of cam

bildqualität


Meinem subjektiven Empfinden nach hat die Z 6 bei der Bildqualität verglichen mit der D800 deutlich zulegen können. Das durfte man aber auch erwarten, trennen die beiden verbauten Bildprozessoren schließlich drei Generationen. Dies fällt mir dabei besonders auf:

 

- Farbwiedergabe: Mehrfach verblüfft hat mich die Fähigkeit der Z 6, dort noch Farben zu erkennen, wo für das menschliche Auge alles nur noch düster erscheint. Der Molch hier ist ein Höhlenbewohner und lebt in entsprechend schwachem Licht. Für mich erschien alles Dunkelgelb und -braun. Doch die Kamera erkennt das Motiv in  seinen natürlichen Farben, als wäre es ideal ausgeleuchtet gewesen.

   Auch für die nachträgliche Farbkorrektur hat sie größere Reserven. Bei einer Aufnahme in ein Aquarium mit blauem Dämmerlicht konnte ich in der Nachbearbeitung die natürlichen Farben herausholen! Das war bei Bildern mit meinen DSLRs an gleicher Stelle bislang nicht zu erreichen.

- Kontrast: hier scheint die Z 6 ebenfalls feiner abstufen zu können, auch wenn das volle Potential vielleicht erst bei der Nachbearbeitung richtig zur Geltung kommt. Ein Beispiel dafür ist das Bild von "Viatu", dem Silberrücken des Frankfurter Zoos, das am Ende dieser Seite zu sehen ist. Diese feine Nuancierung bei einem Bild, dass durch eine zentimeterdicke Panzerglasscheibe geschossen wurde, habe ich aus Bildern mit der D800 nicht herausholen können.

- Belichtung: im Zoo kommt es mit der D800 öfter zu Problemen mit den Lichtverhältnissen, sei es dass der Weißabgleich fehl geht oder es schnell zu überbelichteten Bereichen führt. 

  Die Z 6 scheint hier besser zurecht zu kommen. Schaue ich auf die Bildausbeute der ersten Streifzüge, sind solche Ausreißer kaum zu finden. Die Bilder wirken bereits im unbearbeiteten Zustand sehr homogen und ausgewogen.

   Alles in allem bin ich mit der Bildqualität der Z 6 im Vergleich zu der D800 und D500, sehr zufrieden. So wie man die Unterschiede bei 

Nikon Z 6, Sigma 150 mm f/2,8 Makro, 1/30 Sek. bei f/7,1 und ISO 8.000, frei Hand, nur leichte Korrekturen in LR
Nikon Z 6, Sigma 150 mm f/2,8 Makro, 1/30 Sek. bei f/7,1 und ISO 8.000, frei Hand, nur leichte Korrekturen in LR

 Bildern mit zwei verschiedenen Objektiven gleicher Brennweite aber unterschiedlicher Güte erkennen kann, so erscheinen mir die Bilder aus der Z 6 insgesamt detailreicher und brillanter.

   Nachdem ich Gelegenheit hatte, die Z 6 intensiver zu nutzen, fällt bei Betrachtung der unbearbeiteten Bilder auf, dass bei einigen Motiven eine ungewöhnlich starke Vignettierung auftritt. Dies sowohl mit Z-Objektiven wir F-Objektiven mit FTZ-Adapter. In Serienbildern, z.B. von Vögeln im Flug, sind gute wie schlechte Bilder enthalten. Bei der späteren Bearbeitung lässt sich die Vignette zwar problemlos entfernen, doch Fotografen, die auf unbearbeitete Bilder angewiesen sind, sollten hier ein kritisches Auge darauf haben. 


akkulaufzeit


Auf meinen ersten Rundgängen kam der Akku auf eine Laufzeit von nur 4-6 Stunden, wenn auch unter ständiger Nutzung des Bildschirms und des Menüs.

   Das ist heutzutage aber nicht viel und etwas ärgerlich, wenn eine moderne Kamera vorwarnungsfrei saftlos die Auslösung verweigert.  Ganz wie in den analogen Zeiten, wenn der Film voll war. 

  Es ist sicher nicht fair, die Z 6 mit all ihren elektronischen Funktionen bezüglich der Akku-Laufzeit mit einer D800 zu vergleichen.

   Allerdings ist die Leistung auch im direkten Vergleich zu den großen spiegellosen Wettbewerbern nicht hoch. Bleibt abzuwarten, was der 

angekündigte Batteriegriff bringt. Der Ersatzakku war schon bei der D500 ratsam. Hier ist er nun wirklich ein Muss!

   Kürzlich habe ich die Z 6 an einem "langen Wochenende" dabei. Ich setzte sie nur moderat ein, wie es bei einem Ausflug üblich ist, ca. 300 Fotos, kein Video, bei mäßiger Nutzung des Displays und zweimaliger Übertragung einiger Bilder auf das Handy. Der Akku hielt die 3 Tage am Stück durch.

  Vor allem die Nutzung des Displays ist somit wohl entscheidend für den Stromverbrauch. Je mehr man sich hier zurückhält, umso besser kommt man mit einer Akkuladung über den Tag.


autofokus


Die Qualität und Arbeitsweise des Autofokussystems der Z 6 wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen, bis ich endgültig Klarheit über die Stärken und Schwächen habe.

   Ich war zum Testen mehrfach im Nachthaus des Frankfurter Zoos. In der relativen Dunkelheit brauchte die Z 6 im AF-S Modus einen ganzen Moment zum Fokussieren. Teilweise war das Motiv bereits auf und davon. Das geht besser, glaubte ich und wechselte auf die D500, die der D800 diesbezüglich schon weit überlegen ist. Doch nix war's! Die D500 fand zu meiner Überraschung an gleicher Stelle gar nicht erst ein Ziel!

   Die Z 6 macht dank dem hellem Sucherbild trotz Dunkelheit sogar das manuelle Fokussieren möglich! Leider hielten die Tiere zu wenig still, um hier ein brauchbares Bild vorweisen zu können. Das liegt aber nicht an der Kamera, also ein klarer Punktsieg für die Z 6!

      Beim Einzelautofokus ist für mich die Sache soweit klar: in Sachen Geschwindigkeit liegt die Z 6 näher an der D800 als der D500. Aber er sitzt, ohne Pumpen, absolut auf den Punkt! Also kein neuer Rekord in Sachen Geschwindigkeit, für mich aber so absolut in Ordnung! 

   Beim kontinuierlichen Autofokus ist die Lage jedoch um einiges komplizierter. Es war zu lesen, man müsse bei der Z 6 wissen, was man fotografieren möchte und dazu die jeweils am besten geeignete Fokuseinstellung finden. Zunächst lohnt sich tatsächlich das Einlesen in die Gebrauchsanweisung. Eine vollständige Übersicht über alle Autofokusvarianten findet sich zusätzlich auf der Homepage von Nikon. Hier gibt es Neues zu entdecken, sowohl begrifflicher wie funktioneller Art:

   Die "Automatische Messfeldsteuerung" ersetzt das bisher bekannte "3d-Tracking". Mit Drücken der "OK-Taste" kann das Messfeld dabei gezielt auf einen Punkt im Motiv aufgeschaltet werden und bewegt sich in der Folge mit. Ich benötige also erst einmal die Möglichkeit, das Motiv eindeutig im Sucher zu sehen und zu halten. Bei einem Motiv wie z.B. eine Ente auf dem Wasser ist das kein Problem.

   Im Zoo gibt es ein großes Becken voller kleiner "Nemos". Die beste Testumgebung, alle Varianten durchzuprobieren. Zunächst muss ich 

sagen, dass mein Sigma 150 f/2.8 Makro sicher nicht das modernste, sprich schnellste ist. An der D500 komme ich aber gut damit zurecht.

   Die "Automatische Messfeldsteuerung" war hier ungeeignet. Durch die Vielzahl möglicher Ziele auf verschiedenen Fokusebenen wollte sich die Z 6 für keinen Fisch entscheiden. Die Möglichkeit, mich auf einen einzelnen Fisch aufzuschalten, ergab sich so gar nicht erst.

   Danach probierte ich es mit dem dynamischen Messfeld. Trotz der weißen "Hilfslinien" der Fische fand die Kamera selten ein Ziel. Auch folgt das Messfeld nicht dem Fisch, man muss also offensichtlich immer nachführen.

   Das beste Ergebnis in dieser zugegeben wirklich speziellen Situation erzielte ich mit dem großen Messfeld. Auch hier muss das Motiv im Messfeld gehalten werden. Hier hat die Z 6 das einzelne Fischchen aber noch am längsten im Fokus gehalten. Bedingt befriedigend aber definitiv kein Sternchen! Während der AF-C an sich ausreichend gut funktioniert, hat meine D500 beim Tracking ganz klar die Nase vorne. Bleibt noch die Hoffnung auf das angekündigte Firmware-Update.

   Das Fokussieren über den Touchscreen funktioniert ebenfalls sehr gut. Hier habe ich nur das Problem, dass ich den Fokuspunkt nach der Auswahl ganz offensichtlich nicht mehr verändern kann, ohne auszulösen. Man muss also ganz genau zielen. Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen.

   Zusammenfassung: Die Fokusgeschwindigkeit liegt über der D800, jedoch unter der D500/D5. Der AF-S funktioniert sehr gut, auch bei geringer Beleuchtung. Der AF-C funktioniert ebenfalls gut, solange das Motiv im Fokusfeld angemessen und gehalten werden kann, sich dabei nicht allzu schnell bewegt oder plötzlich die Richtung ändert.  Das Tracking, also die automatische Motiverkennung und -verfolgung durch den Autofokus, wie man es von der D500 kennt, ist mit der Z 6 offensichtlich, wenn überhaupt, nur sehr eingeschränkt möglich!

   In einem Punkt muss ich allerdings eine Lanze für die Z 6 brechen: während bei der D500 der Autofokus mit dem Tamron 150-600 G2 nur auf wenigen Messfeldern funktioniert greift er bei der Z 6 auf allen Messfeldern und das bei deutlich schwächeren Kontrasten! 


iso-performance


Nach den ersten Testbildern wird spätestens am Bildschirm deutlich, dass ISO 12.800 auch bei der Z 6 für den alltäglichen Gebrauch noch eine Nummer zu hoch ist. Bis hoch zu ISO 6.400 jedoch verkraftet sie mindestens so gut wie die D500, wenn nicht besser und hat damit meinen Wunsch erfüllt, diesen Wert nun auch im Vollformat nutzen zu können. Dank der 5-Achsen-Stabilisierung kann man ohnehin noch deutlich längere Belichtungszeiten aus der Hand halten und dadurch den ISO-Wert zusätzlich senken. Die Z 6 ist hier gegenüber der D800 also sicherer Punktsieger.

   Bilder, die mit ISO 12.800 gemacht wurden, sehen auf dem Display immer noch erstaunlich gut aus. Doch am PC wird das Rauschen sehr deutlich. In der Bildbearbeitung lässt es sich zwar reduzieren, doch geht dies sehr zu Lasten der Details. Für die Wiedergabe auf einem Tablet mag die Qualität hernach noch ausreichen, für großformatige Ausdrucke jedoch nicht mehr.

   Auch die Z 6 vermag somit die Physik nicht neu zu definieren. ISO-Werte ab 12.800 sind und bleiben trotz aller Verlockungen nur zu dokumentarischen Zwecken geeignet. Als Höchstwert bei der ISO-Automatik sollte man deutlich darunter bleiben.

   So wie schon die D500 bringt die Z 6 bei ISO 6.400 aber immer noch eine sehr hohe Bildqualität und verdoppelt so die Möglichkeiten, die ich mit der D800 hatte. Kaum vorstellbar, wenn man an die analogen Zeiten denkt. Da war schließlich schon bei ISO 400 "das Licht aus". 

Nikon Z6, Nikkor 70-200 mm 2.8, 112 mm, F/2.8, 1/125 sec, ISO 6.400 out of cam, durch Panzerglas bei sehr trübem Licht.
Nikon Z6, Nikkor 70-200 mm 2.8, 112 mm, F/2.8, 1/125 sec, ISO 6.400 out of cam, durch Panzerglas bei sehr trübem Licht.

kompatibilität mit anderen objektiven


Auch ich war zunächst enttäuscht, dass Nikon mit der Z-Serie ein neues Bajonett auf den Markt bringt. Die jahrzehntelange Treue zum F-Bajonett brachte mich doch schließlich einst von Canon zu Nikon. Doch muss ich bei subjektiver Betrachtung zugeben, dass ein solcher Umstieg ab einem bestimmten Zeitpunkt des technischen Fortschritts unumgänglich ist, will man das neue System nicht schon von Beginn an seiner Möglichkeiten berauben.

   Um den Übergang  etwas zu erleichtern, bietet Nikon von Beginn an den - leider nicht kostenlosen - FTZ-Adapter an. Mit ihm können alle F-Objektive weiterhin genutzt werden. Ein Adapter ist sicher nicht jedermanns Sache, ich hatte zu Canon-Zeiten einmal einen für kurze Zeit, an den ich mich nur mit Grausen erinnere. Doch der FTZ-Adapter ist solide und sitzt fest am Gehäuse. Die Objektive lassen sich leichtgängig anschließen. Selbst ein schwereres Tele sitzt fest, ohne jegliches Spiel.

Mein häufig benutztes Tamron 150-600 G2 fokussierte jedoch nicht und brauchte ein Firmware-Update mittels Tap-in-Konsole. Dies war allerdings nur eine Sache von Minuten. Und im Gegensatz zur D500 fokussiert die Z 6 mit diesem Objektiv auf allen Messpunkten! Ich muss allerdings zugeben, dass ich bei 600 mm doch noch lieber das Gegengewicht einer Spiegelreflexkamera am hinteren Ende habe.

   Mein Tamron 15-30 G1 läuft, ohne dass ich Probleme feststellen konnte. Beide Linsen werden allerdings eher nur in Ausnahmefällen an der Z 6 zum Einsatz kommen.

   Etwas unerwartet traf mich da der Aussetzer meines Makros, dem Sigma 150 mm 2.8 DG OS. Es sei laut Sigma kompatibel, sofern es nicht älter als 2013 sei, was es offensichtlich ist.

   Nun war es kurz beim Service. Sigma hat fix ein kostenloses Update auf die neueste Firmware durchgeführt, jetzt arbeitet es einwandfrei. Auch damit können sämtliche Messfelder verwendet werden. 


1 vs. 2 kartenslots


Diesen Punkt möchte ich nur kurz anreißen, weil die Diskussion darüber ganze Foren füllt: ist es ein K.o.-Kriterium, dass die Z-Serie nur über einen Kartenslot verfügt?

   Gewerbliche Fotografen antworten hier mit einem eindeutigen Ja! Wem die Sicherheit über alles geht, möchte natürlich nicht auf die Backup-Möglichkeit auf einer zweiten Speicherkarte verzichten. Das ist verständlich, zumal Kameras mit nur 1 Slot heute doch eher die Ausnahme bilden. 

Ich fotografiere nicht gewerblich. Meine beiden bisherigen Kameras verfügen über zwei Kartenslots und ich nutze diese Möglichkeit nur selten. Datenfehler auf Speicherkarten hatte ich nur ein einziges Mal vor vielen Jahren mit einer billigen SD-Karte. Auf Reisen sichere ich wenn möglich allabendlich auf mein Notebook. Das Risiko eines Datenverlustes halte ich für ähnlich groß, wie einen Defekt an der Kamera oder deren Verlust. Ich bin daher bereit mit nur einem Slot zu arbeiten, verstehe aber jeden, dem dies zu riskant ist.


die Z 6 und lightroom


Etwas unschlüssig bin ich mir bei der Bearbeitung von Bildern aus der Z 6 in Lightroom. Dabei fällt mir eine Arbeitsweise auf, die ich von Bildern aus anderen Kameras bislang so nicht kenne.

   Es wird von vornherein ein "integriertes Objektivprofil" verwendet, auch ohne die Profilkorrektur aktiviert zu haben. Abhängig von den verschiedenen Aufnahmewerten ist auch bereits die Entfernung der chromatischen Aberrationen und sind ungewöhnlich hohe Werte bei Schärfe und Luminanz aktiviert.

   Besonders Aufnahmen die unter speziellem Kunstlicht entstanden sind, waren teilweise übersättigt und gelblastig. Das kannte ich auch schon von anderen Kameras. Doch das Gegensteuern fiel mir hier ungewohnt schwer. Dann sah ich, dass Lightroom als Profil "Kamera neutral V2" verwendet hat. Nach Umstellung auf ein Adobe-Profil lag die Farbwiedergabe gleich wieder ganz nahe an der Wirklichkeit.

   Zusätzlich werden bei der automatischen Korrektur teils ungewohnt hohe Werte verwendet: die Schärfe zwar nur auf 20, der Radius aber auf Werte um 2,0 gesetzt. Die Luminanz wird abhängig von der ISO auf Werte um die 30-50 Punkte (!) geschraubt.

   Bereits in den RAW-Daten werden also Schwächen der Kamera, wie Vignettierung oder CAs herausgerechnet. Dies bedeutet sicher keinen zweiten Softwareskandal sondern ist seit der ersten digitalen Kamera

so üblich. Die Frage mag sich allerdings stellen, wieviel Bildqualität

die nicht gerade günstige Ausrüstung selbst bringt und wieviel erst im Nachgang über die Software erreicht wird.

   Mit diesem Prinzip kann ich eigentlich gut leben, denn 95 % meiner Bilder gehen durch Lightroom. Hier stört mich dann aber doch, dass die Bilder ganz ohne mein Dazutun in LR einer teils drastischen "Schönung" unterworfen werden, die nicht in allen Bereichen direkt erkennbar und damit umkehrbar ist. Einer App für Handyfotos würde ich so etwas zugestehen, Lightroom jedoch nicht!

   Sehr oft nehme ich bei der Bearbeitung diese Werte wo möglich wieder deutlich zurück. Ich habe ein anderes Bildempfinden und akzeptiere zum Beispiel lieber etwas mehr Bildrauschen, anstatt zuviel an Detail zu verlieren.

  Bilder aus konventionellen Spiegelreflexkameras werden, meinem Empfinden nach, im Vorfeld durch LR nicht so stark bearbeitet.

   Im frisch zurückliegenden Sommerurlaub habe ich fast nur mit der Z 6 fotografiert. Bei der Bildbearbeitung bin ich wieder über das Profil "Kamera neutral V2" gestolpert. Ich habe verschiedene Bilder sowohl in diesem wie in "Adobe Standard" bearbeitet und festgestellt, dass ich bei vielen Landschaftsaufnahmen letztendlich unter "Kamera neutral" mit einigen wenigen Korrekturen die besseren Ergebnisse erzielen kann. Die Abstufungen bei der Farbwiedergabe und dem Kontrast sind einfach feiner. 


s-objektive


Ich besitze bislang das 24-70 4.0 S und das 14-13 4.0 S. Beide habe ich aus Gründen der Größe und des Gewichts gekauft, um es auf Reisen etwas "leichter" zu haben.

   Beide Objektive sind jeweils um fast die Hälfte kleiner bzw. leichter als die entsprechenden F-Objektive von Nikon. 

   Besonders bezüglich des 14-30 S im Vergleich mit dem Vertreter der heiligen Dreifaltigkeit, dem 12-24 2.8, gehen die Meinungen im Netz wild hin und her. Ich empfinde es bereits als enorme Leistung des kleinen 14-30 S, dass es überhaupt im gleichen Atemzug genannt wird.

   Tatsächlich bin ich mit der optischen Leistung dieses Objektivs sehr zufrieden, vor allem die hohe Randschärfe begeistert mich. Auch die

Leistung des 24-70 S ist tadellos.

 Nur bei Aufnahmen im Nahbereich wird es manchmal deutlich, nicht über die Offenblende von f/2.8 zu verfügen und weniger mit der Tiefenschärfe spielen zu können. Bei Landschaftsbildern hingegen sehe ich keinerlei Qualitätseinbußen.

   Ob ich die S-Objektive, vor allem das 14-30 auf einen Fototrip nach Island mitnehmen würde, wenn zu erwarten ist, daß 90% der Bilder mit dem Weitwinkel aufgenommen werden, bezweifle ich. Hier würde ich auf die f/2.8 nicht verzichten wollen.

   Auf normalen Reisen eine solche Brennweite quasi nur "für den Fall des Falles" mitnehmen zu können, ohne dass sie das Handgepäck sprengt oder mich die Bildqualität nachträglich weinen lässt, macht mir auf der anderen Seite einfach Freude.


schlußgedanken


Die Nikon Z 6 verblüfft, sowohl im Guten, wie im Schlechten. Sie polarisiert dadurch vielleicht mehr als andere Nikon-Modelle. Hier eine Übersicht zu den für mich auffälligsten Punkten.

(Viele der aufgeführten Punkte beziehen sich auf den Vergleich zu meiner D800 und D500. Ein Vergleich mit der D850 wird in dem ein oder anderen Punkt sicher anders ausfallen).



Dafür:

 

+ Klein und leicht, wie man es erwarten durfte, liegt sehr gut

   in der Hand.

+ Mit 24,5 MP eine völlig ausreichende, Speicherplatz sparende

    Auflösung.

+ Solide Verarbeitung, hoher Schutz vor Staub und Feuchtigkeit.

+ Klappdisplay.

++ Bei Bedarf lautlose Auslösung.

++ Hohe Randschärfe.

++ Info-Anzeige frei konfigurierbar.

++ Sehr ansprechende Ergonomie.

++ Umfassende, sehr dezente Informationsanzeige im Sucher

+++ In-Body-Stabilisierung.

+++ Sehr schnelles und einfaches Arbeiten über die Info-Anzeige 

        dank voll funktionsfähigem Touchdisplay.

+++ Vergleichsweise sehr gutes Rauschverhalten bei hoher ISO.

+++ Extrem hohe AF-Abdeckung des Bildfeldes.

+++ Klares, helles Sucherbild.

+++ Hohe Lichtausbeute des Sensors.

+++ Die beste mir bekannte Fähigkeit zum Fokussieren statischer

       Motive bei "Dunkelheit", automatisch wie manuell.

Dagegen:

 

- Nur 1 Kartenslot (für manche auch ---).

- Vorderes Einstellrad nicht mehr so griffig.

- geringere Fokusgeschwindigkeit, ähnlich der D800.

- Klappdisplay nicht seitlich schwenkbar

- Fokussierung über Monitor unkomfortabel, wenn mit

   Auslösung kombiniert (Fokuspunkt kann nach Anwahl nicht

   mehr verändert werden, ohne auszulösen).

- Keine FN2-Taste zur direkten Anwahl von "mein Menü".

-- Spürbare Anlaufzeit vom Einschalten der Kamera bis zum ersten

   (Sucher-) Bild

-- Die Horizontanzeige im Sucher ist offensichtlich durch die mir

    zu dominante Wasserwaage ersetzt worden.

-- Neues  Bajonett. Für alte Objektive Adapter erforderlich.

-- Teilweise starke Vignettierung in den unbearbeiteten Bildern.

--- Die Akkulaufzeit liegt nach meinem bisherigen Stand ganz

    deutlich unter der der D500 (~50%).

--- Definitive Schwächen beim Tracking mit AF-C, sowohl beim

     Finden wie beim Halten stark bewegter Motive.


Noch mit Fragezeichen behaftet:

- die Anfälligkeit des freiliegenden Suchers für Staub und Schmutz bei Objektivwechseln und die Möglichkeit zu Reinigung. Bislang bin ich von Schmutz auf dem Sensor allerdings verschont geblieben, obwohl ich die Linsen auch schon unter eher widrigen Bedingungen gewechselt habe.

- die Lebensdauer von spiegellosen Kameras. Die Anzahl der Auslösungen spielt ja nun keine Rolle mehr.


Mit einer AF-Abdeckung von nahezu 100% und absolut vertretbaren Ergebnissen bis ISO 8.000 hat die Z 6 meine Hauptziele erfüllt. Dank der "In-Body-Stabilisierung" können zusätzlich auch noch längere Belichtungszeiten aus der Hand erzielt werden.

   Gegenüber der D800 hat die Z 6 ihre Existenzberechtigung allein schon durch diese zwei Faktoren. Dazu kommen noch die sehr gute Bildwiedergabe im Sucher auch bei wenig Licht, das Klappdisplay und die deutlich höhere Lichtausbeute. Damit ermöglicht sie Bilder, wo ich die D800 längst weggepackt hätte und eröffnet so neue kreative Möglichkeiten.

   Sie ist kompakt, liegt aber sehr gut in der Hand. Das Sucherbild ist großartig und hilft bei der Bildgestaltung und -beurteilung. Sie ist hervorragend verarbeitet und ist bestens geschützt vor Staub und Feuchtigkeit. Die Z 6 hat meiner Ansicht nach obendrein noch die ausgefeilteste Handhabung aller aktuellen Nikon-Kameras. Tasten, Menü und Touchdisplay ergänzen sich ideal. So ist sie auch bei Dunkelheit spielend leicht zu bedienen.

   Darüber hinaus regt sie zu einem veränderten Umgang mit dem Motiv an, der mich an analoge Zeiten erinnert. Sie "entschleunigt" beim Fotografieren, was mir ganz großen Spaß macht. 

   Die Z 6 sehe ich z.Z. nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung meiner Ausrüstung. Ich habe immer schon gerne 2 Kameras zugleich dabei 

gehabt. So werde ich die D500 wegen des Brennweitenvorteils und des schnelleren Autofokussystems in jedem Fall behalten.

   Ob die D800 wegen ihrer höheren Auflösung meine bevorzugte Kamera für Weitwinkelaufnahmen bleibt, wird sich dagegen noch zeigen. Die Z 6 möchte ich für alle Makro- und Nachtaufnahmen, bzw. für Bilder in anspruchsvollen Lichtsituationen nutzen. Aber auch immer dann, wenn ich mal keinen Platz für die "große" Ausrüstung habe.

   Der einzelne Kartenslot sind für viele wohl noch zu verschmerzen. Zusammen mit den Schwächen im Tracking ist die Z 6 dadurch aber nicht die spiegellose Allzweckwaffe geworden, wie sie von vielen erwartet wurde.

   Bezogen auf die Z 7 kann ich die entstandene Aufregung ein gutes Stück weit nachvollziehen. Sie ist genauso teuer wie die D850, kann ihr aber in einigen Punkten nicht das Wasser reichen. Die Z 6 jedoch konkurriert mit der D610, D750 und der D810. Hier fällt der Vergleich in meinen Augen ganz anders aus.

   Ich würde die Z 6 in jedem Falle mit in die engere Wahl nehmen und die Entscheidung anhand der Stärken und Schwächen fällen, die eine Kamera ganz speziell für meine Anwendungsgebiete mit sich bringt. Die Z 6 hat definitiv beides, doch für mich überwiegen ganz eindeutig die Stärken!


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