nikon z 100-400 mm f/4.5-5.6 vr s



Aktuell sind die ersten aussagekräftigen Test zu diesem Objektiv im Netz zu finden, die über die reine Produktankündigung hinausgehen. Einen voll umfassenden Test findet man z.B. bei Cameralabs, an dem es für mich nichts zu rütteln gibt.

Womit ich mich hier beschäftigen möchte ist, ob und wie weit sich das Z 100-400 für die (Wild)tier- und vor allem für die Zoofotografie eignet und ob es mir tatsächlich sichtbare Vorteile gegenüber meinen bisher eingesetzten Objektiven bringt?


bauliches


Das Offensichtliche zuerst: das Z 100-400 mm entspricht mit einer Länge von 22 cm, 77 mm Filtergewinde und rund 1,5 kg Gewicht (mit Stativfuß und Sonnenblende) ziemlich genau seinem Vorgänger, dem AF-S 80-400 mm, bzw. den aktuellen 70-200 mm 2.8 Objektiven.

   Damit verschreckt man so schnell weder die anvisierten Tiere noch andere Zoobesucher, es passt problemlos in alle gängigen Taschen und Rucksäcke und ist am langen Arm durchaus auch über längere Zeit gut zu tragen.

   Voll ausgefahren nimmt es nur knapp 5 cm an Länge zu, wobei sich der Schwerpunkt nicht verändert und die Balance voll erhalten bleibt. Bilder aus der freien Hand sind damit problemlos möglich.

  Nikon betont, das Zoomen von 100 auf 400 mm sei in einer einzigen Handumdrehung möglich. Das stimmt, gelingt aber nur im Idealfall, wenn man seinen Griff direkt an der richtigen Stelle ansetzt. So oder so, der Weg ist sehr kurz und der Drehwiderstand angenehm, was das Arbeiten mit dynamischen Motiven erleichtert.

   Das Objektiv verstellt sich in keiner Situation von selbst, es sei denn man stellt die Kamera auf der Frontlinse ab. Das ist bei Aufnahmen in extremen Winkeln nützlich. Eine zusätzliche Arretierung ist daher gar nicht erst vorhanden.

   Der Autofokus arbeitet schnell und punktgenau. Er ist nur hörbar, wenn er große Entfernungen überwinden muss. Der Fokusring ist leichtgängig und besitzt einen sehr angenehmen Drehwiderstand, der auch das manuelle Fokussieren präzise möglich macht.

Die integrierte Bildstabilisierung des Objektivs ist laut Nikon auf den der Kamera abgestimmt und nur über diese an- bzw. auszuschalten. Die Stabilisierung über fünf Achsen verspricht eine Effektivität von 5,5 Blendenstufen. Eine optimale Stabilisierung ist im Zoo, angesichts der dortigen, oft ungünstigen Lichtverhältnisse und der relativ schwachen Offenblende dieses Objektivs von f/4.5-5.6 immer hilfreich.

   Eine kleine OLED-Anzeige, zwei programmierbare Tasten und ein weiterer Einstellring runden das Paket ab. Der Nutzen der Anzeige hat sich mir noch nicht erschlossen. Die Funktionstasten kann man frei belegen, ich habe mich hier für die Motivverfolgung entschieden. Der Einstellring wird gern mit der Belichtungskorrektur belegt. Das habe ich ausprobiert, finde es aber tückisch, da man den Ring viel zu leicht ungewollt verstellt.

   Der Objektivfuß ist leider auch bei diesem Objektiv nicht größer als unbedingt nötig. Nikon kann sich offenbar nicht vorstellen, dass man ein Objektiv daran tragen wollen könnte. Und Arca-Swiss tauglich ist er leider auch diesmal nicht. Mit etwas Geduld findet sich ein Ersatz eines Fremdherstellers, zu Preisen zwischen 40 und 130 Euro.

   Der einzige weitere Kritikpunkt neben dem Objektivfuß betrifft die Sonnenblende: wie schon beim Z 105 mm, wirkt sie vergleichsweise dünn und billig. Bei meinem Exemplar hakelt dazu die Arretierung so sehr, dass sie nur "mit Nachdruck" abgenommen werden kann. Bei einem Objektiv in dieser Preisklasse darf man diesbezüglich wirklich mehr erwarten.


brennweite


Die Kombination, die ich bislang immer eingepackt habe, sobald es um Tierfotografie im weitesten Sinne ging, bestand aus der Nikon D500 und dem Tamron 150-600 mm. Für den Gang in den Zoo ist häufig noch das Sigma 150 mm Makro mit von der Partie gewesen.

  Damit mangelte es mir nicht an Brennweite. Allerdings habe ich so auch schon ein paar Kilo Ausrüstung mit mir herumgetragen.

   Mit der Ankündigung des Nikkor Z 100-400 setzte bei mir sogleich das Grübeln ein. Wie viele wartete ich für meine Nikon Z 6 schon lange auf ein Tele mit einer Brennweite über 200 mm. Jedoch hatte ich dabei eigentlich immer das Z 200-600 mm im Blick. Das lässt aber noch auf sich warten, wird kein S-Objektiv und scheint, so man der Roadmap glauben darf, ein ziemlicher Brummer zu werden.

   Das Z 100-400 mm ist vergleichsweise klein und leicht, aber von der Endbrennweite her für mich eigentlich grundsätzlich zu kurz, noch dazu an einer Vollformat-Kamera. Doch dann las ich erstmals von der geringen Naheinstellgrenze von unter einem Meter und ich wollte mehr über das Objektiv erfahren.

   Wenn man 600 mm am APS-C Format gewohnt ist, muss man sich mit 400 mm am Vollformat schon umstellen, was die Erwartung an die Art der zu machenden Bilder angeht. Wo sonst Tierportraits noch problemlos möglich waren, braucht man jetzt nicht einmal mehr darüber nachdenken.

Sobald man aber in seiner Bildsprache ein wenig flexibel ist, finden sich schnell neue interessante Motive. Nur kauft man dieses Objektiv natürlich nicht, nur um auf Endbrennweite zu verzichten.

  Die wahre Stärke dieses Objektivs, bezogen auf die Brennweite, liegt für mich in seiner geringen Naheinstellgrenze. Nämlich genau dort, wo ich mit dem 150-600 mm nicht näher heran kann, für das 150 mm Makro aber noch zu weit weg bin. Und diese Momente gibt es im Zoo leider reichlich. Wie oft stand ich vor einem Gehege und habe erlebt, dass das anvisierte Tier immer näher kam und am Ende nicht selten zu dicht für das 150-600 mm dran war. Oder ein Aquarium ist so weit zurückgesetzt, dass man mit einem Makro-Objektiv schlicht nicht nah genug heran kann. Und mit einem Tele mit einer Naheinstellgrenze von 2,2 m braucht man vor einem Aquarium gar nicht erst anfangen.

  Mit einer Naheinstellgrenze von 75 bis 98 cm und einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2,6 schließt das Z 100-400 diese Lücke und es gelingen neue, vorher nicht machbare Aufnahmen. Nachfolgende Bilder sind Beispiele für Fotos, die mit dem Objektiv im geschilderten Grenzbereich ohne "Croppen" möglich sind.

   Außerhalb von Zoos und Wildparks reichen mir persönlich 400 mm am Vollformat für die Tierfotografie jedoch schnell nicht mehr aus. Für eine Fotosafari, bei der ich vom Gepäck her eingeschränkt bin, würde ich ein 150-600 mm bevorzugen. 


bildqualität / vergütung


Ein weiterer Punkt, der mein Interesse geweckt hat, ist die besondere Vergütung dieses Objektivs.

    So ist die Nano-Vergütung der Frontlinse stets hilfreich, besonders aber, sobald man im Zoo ein extrem klimatisiertes Haus betritt und die Frontlinse beschlägt. 

   Nikon hat diesem Objektiv aber zusätzlich eine" ARNEO"-Vergütung spendiert, die Streulicht und Geisterbilder reduzieren soll, um damit zu weniger Reflexionen und höheren Detailkontrasten, vor allem bei bei Gegenlichtaufnahmen zu führen.

   Dies hat mich ganz besonders interessiert, da Streu- und Gegenlicht

bei der Zoofotografie durch die vielen unterschiedlichen Lichtquellen häufig auftretende Probleme sind. Bei der Sichtung der bisherigen Testbilder habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass Nikon hier hält, was es verspricht.

So erkenne ich deutlich weniger Störungen durch Reflexe z.B. auf den Glasscheiben, wie auf älteren Aufnahmen. Teilweise wirken die Bilder auf mich, als wäre gar keine Scheibe zwischen mir und dem Motiv vorhanden (s. Bilder oben). Der Geier auf nachstehendem Foto sitzt in der prallen Sonne, doch anstatt sich in Reflexen aufzulösen, ist das weiße Gefieder auch noch im letzten Detail zu erkennen.

   Ebenfalls habe ich den Eindruck, dass das Objektiv in den dunkleren Bildteilen differenzierter auflöst, als mein 150-600 mm.

  Die Bildqualität des Z 100-400 mm empfinde ich als sehr hoch. Das muss man allerdings bei einem S-Objektiv und zu diesem Preis auch erwarten dürfen. Trotzdem hat mich die Detailwiedergabe positiv überrascht, sowohl im Nahbereich, ganz besonders aber auf die Distanz. Dazu wirkt der Schärfeverlauf angenehm weich und der Bildhintergrund sehr ruhig.


Nikon Z 100-400 test
Nikon Z 6 + Nikkor Z 100-400 f/4.5-5.6, 340 mm, 1/320 sek., f/5.3, ISO 320 (Tierpark Edersee)

100-400 + tc 2.0


Eigentlich war ich vorrangig an einem 1.4-er TC interessiert. Doch war er vor meinem Urlaub nicht aufzutreiben, weshalb ich mich am Ende doch für den TC 2.0 entschieden habe.

   Damit komme ich mit dem 100-400 an der Z6 auf ein 200-800 mit Blende 11 am Ende. Eigentlich wird es da schnell finster, aber Canon verkauft schließlich ein 800 mm f11 als Festbrennweite. Ganz nutzlos kann es also nicht sein. Und mit 800 mm am Vollformat bin ich ganz nah an bei den Möglichkeiten, die ich sonst mit der D500 und einem 150-600 mm Objektiv habe.

   Bei Blende 11 bleibt nicht mehr ganz so viel Spielraum bei der Wahl der Belichtungszeit, wie man ihn sich bei der Tierfotografie wünscht, doch komme ich bei normalem Tageslicht bei einer 1/1.000 sek noch mit einer ISO um die 1.000 hin. Das sollte doch reichen?

Nach meinen ersten Versuchen bin ich noch nicht zu 100% glücklich, aber zufrieden. Der Autofokus greift auch bei f/11 einwandfrei. Bei der Sichtung am PC vermisse ich jedoch noch das letzte Quäntchen Schärfe. Vielleicht lag es an meiner Tagesform, alle Aufnahmen sind ohne Stativ gemacht, vielleicht doch am TC selbst. Doch mögen die Aufnahmen nicht alle knackscharf sein, akzeptabel sind sie allemal.

   Je näher man am Motiv dran ist, umso besser das Ergebnis. Ein Austernfischer kam so dicht an mich heran, dass er mir fast in das Objektiv geschaut hat. Hier kann ich gar nicht mehr erkennen, dass der TC tatsächlich angesetzt war.

   So empfinde ich den TC 2.0 als sinnvolle Ergänzung um im Fall der Fälle auf eine höhere Brennweite zu kommen, ohne ein weiteres Objektiv dabei haben zu müssen. Wäre da nur nicht sein Preis!


fazit


Wäre da nicht der hohe Anschaffungspreis, dieses Objektiv wäre ein "no-brainer". Da dem jedoch nicht so ist, habe ich lange über diese Anschaffung nachgedacht. Doch habe ich schon vor einer Weile den Entschluss gefasst, nicht mehr länger in DSLRs und F-Objektive zu investieren und deshalb dieses Objektiv mit dem Verkauf älterer Ausrüstung ein Stück weit gegenfinanzieren können.

   Werde ich nach dem Kauf des Z 100-400 mm zukünftig auf mein 150-600 mm verzichten? Nein, definitiv nicht. Dazu bin ich einfach ein zu großer Fan dieser Brennweite geworden. Es ermöglich mir zu viele Bilder, besonders Tierportraits, für die 400 mm am Vollformat nicht ausreichen würden. Solange Nikon weder das Z 200-600 mm, noch einen spiegellosen Nachfolger für die D500 präsentiert, werde ich dieses Objektiv weiter nutzen.

  Auf ein Makroobjektiv werde ich ebenfalls nicht verzichten, um auch zukünftig z.B. in Terrarien und Aquarien weiter an die kleinsten unter den Zoobewohnern herankommen zu können.

   Dagegen hat das Z 100-400 mm mein AF-S 70-200 mm 2.8 bereits aus meiner Ausrüstung verdrängt, das zwar lichtstärker ist, wegen seiner relativ kurzen Brennweitenabdeckung aber einfach zu selten zum Einsatz kommt.

Das Z 100-400 mm ist genauso groß und schwer, von der Brennweite her deutlich flexibler und macht die fehlende Lichtstärke durch den besseren VR wieder wett. Und die Bildqualität des Z 100-400 mm ist, meines Empfindens nach, höher als die des F-Objektivs!

   Bislang war mein 150-600 mm das meistgenutzte Objektiv im Zoo oder Wildpark. Das wird sich in Zukunft wohl ändern. Wegen seiner Handlichkeit und der höheren Bildqualität, werde ich vermutlich vornehmlich das Z 100-400 mm nutzen. Die anderen Objektive nehme ich nur noch dann mit, wenn ich mit damit rechnen kann, dass es bei den bevorstehenden Motiven auf minimalen Abstand oder maximale Endbrennweite ankommt.

   Und wann immer ich nur ein Objektiv dabeihaben will oder kann, werde ich ebenfalls zum Z 100-400 mm greifen, weil es dank seiner geringen Naheinstellgrenze, seiner hohen Bildqualität und mit den 400 mm doch relativ hohen Endbrennweite, meiner Ansicht nach, der bessere Allrounder für die Zoofotografie ist.

   Seine Vielseitigkeit, die kompakten Abmessungen und das relativ niedrige Gewicht machen das Z 100-400 mm für mich darüber hinaus zu einem idealen Teleobjektiv für Reisen, bei denen Großaufnahmen von Tieren nicht an erster Stelle stehen.


Dafür:

 

+     gutes Packmaß, recht niedriges Gewicht.

+     mit 77 mm ein Standard-Filterdurchmesser

++   sauberes Bokeh, sehr ruhiger Schärfeverlauf.

++   sehr solide Verarbeitung, Schutz vor Staub und Feuchtigkeit.

+++ sehr ansprechende Ergonomie.

+++ geringe Naheinstellgrenze.

+++ VR auf Stabilisierung der Kamera abgestimmt.

+++ hohe Vergütung, die die Bildqualität deutlich fördert.

Dagegen:

 

-   das Zoomen ist mit umgedrehter Sonnenblende schwierig.

  der Stativfuß ist nicht Arca-Swiss kompatibel und zum Tragen nur

      bedingt geeignet.

--  die Sonnenblende wirkt für diese Preisklasse zu "billig", die

     Verriegelung ist recht hakelig und schwer zu lösen.

 --- hoher Anschaffungspreis


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Kommentare: 1
  • #1

    Markus Bolliger (Samstag, 02 April 2022 17:55)

    Danke Ingo für diesen Erfahrungsbericht und deine Einschätzung!
    Für mich sehr wertvoll, weil ich auch mit diesem Objektiv liebäugle, angesichts des Preises und weil es im Moment nicht lieferbar ist aber noch keinen definitiven Entschluss gefasst habe. Ich werde es, sobald verfügbar, selber im Gelände testen, meine Schwerpunkte sind Wald, Landschaft, Pflanzen sowie etwas Tiere, vor allem Amphibien, Reptilien, Schmetterlinge, Libellen usw. und gelegentlich Vögel, aber ich bin kein Vogelfotograf im strengen Sinn, wäre ich es würde ich auf das Z 200-600mm oder das Z 800mm warten.
    Als Übergangslösung habe ich mir das AF-P 70-300mm F4.5-5.6 für 560 CHF geholt - erstaunlich gut für diesen Preis, und vor allem leicht (wichtig auf Bergtouren!), aber qualitativ sicher nicht auf dem Niveau des Z 100-400 S oder des Z 70-200 F2.8 S. Letzeres habe ich mal ein Wochenende lang getestet und war begeistert - leider ist es für viele Motive etwas zu kurz.
    Beste Grüsse,
    Markus


Hinweis: Ich fotografiere zu rein privaten Zwecken und schildere hier ausschließlich meine persönlichen Eindrücke. Ich erhalte keinerlei materielle oder finanzielle Zuwendung von Nikon oder anderen hier erwähnten Herstellern.