tamron 35-150 mm


Während es bei Weitwinkel- wie Teleobjektiven vergleichsweise leicht ist, eine Auswahl zu treffen, hier ist die Größe des Sparschweins oft das entscheidende Kriterium, so ist es deutlich schwerer, innerhalb der sogenannten "Standardbrennweite" eine Entscheidung zu fällen.

   Tatsächlich habe nirgendwo soviel Lehrgeld "verbrannt", wie im Bereich 24-70 mm. Schließlich habe ich mich zum Nikkor 24-70 mm 2.8 G hochgearbeitet. Dessen Verarbeitung und Bildqualität sind unbestreitbar hervorragend. Und doch machte mich dieses Objektiv nie richtig glücklich.

   Kam ich mit den 24 mm nach unten immer gut aus, waren mir die 70 mm oft zu kurz. Und damit bei Bedarf unauffällig fotografieren zu können, war auch nicht möglich. So war es mir am Ende einfach zu groß und die überdimensionale Gegenlichtblende irgendwie immer im Weg.

   Alternativen, wie Nikons 24-120 oder gar ein "Superzooom", wie sie heute in Bereichen von 18-400 mm zahlreich vertreten sind, konnten mich bislang aber noch nicht überzeugen.

   Bei der Zusammenstellung meiner Ausrüstung für Ausflüge oder Reisen zeigte sich das Problem noch deutlicher: im Weitwinkelbereich

kommt man heute problemlos mit einer Linse aus, auch ohne dabei auf Nikons Flagschiff, das 14-24 mm 2.8 gehen zu müssen.

   Dazu ein Tele: das Nikkor 70-200 mm. Oder auf einiges an Qualität verzichten und statt dessen ein 70-300 mm einpacken. Solange es hier keine sinnvolle und gleichzeitig bezahlbare Alternative gab, fügte sich das 24-70 in beiden Fällen noch gut ein.

  Seit dem Erscheinen der 150-600 Telezooms ist diese Brennweite für mich nicht mehr wegzudenken. Doch dadurch entstand eine Lücke zwischen 70 und 150 mm, die ich oft zu spüren bekam. Hier nun aber deswegen noch das 70-200 einpacken? Nein, das bedeutete schlicht zuviele Kilos und eindeutig zu häufige Objektivwechsel.

   Das Tamron 35-150 lies mich aufhorchen. Dieses, dazu mein 15-30 und das 150-600 und ich konnte einen Brennweitenbereich von 15 bis 600 mm nahezu lückenlos mit drei Objektiven abdecken.

   Das Nikkor 24-70 aufzugeben, ist anbetracht seiner überragenden Qualität keine leichte Entscheidung gewesen. Der eingeschränkte Brennweitenbereich, zusammen mit der relativen Unhandlichkeit dieses Objektivs haben mich den Schritt aber letztendlich gehen lassen. Über meine Erfahrungen möchte ich hier berichten.


bauliches


Rein äußerlich ist das 35-150 mm Tamrons "SP"-Reihe angeglichen worden. Das Gehäuse besteht allerdings "nur" aus Hartplastik, recht gut vergleichbar mit dem Nikkor Z 24-70 1:4 S. Wie dieses ist auch das Tamron gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet.

   Bezogen auf Größe und Gewicht unterscheidet es sich vom Nikkor 24-70 mm G nur unwesentlich. Das Tamron ist 120 Gramm leichter, aber etwas voluminöser. Dafür besitzt es nicht die absolut monströse und "klapprige" Gegenlichtblende des 24-70 G. Der Filterdurchmesser beider Objektive beträgt 77 mm. Bezogen auf das Packmaß sind die Unterschiede also zu vernachlässigen.

Ich mache mir keine Illusionen über die Stabilität des Tamrons im Vergleich zum aus Metall gefertigten Nikkor. Fallen lassen möchte ich es nicht. Doch für das, was ich für eine Reparatur meines leider doch nicht gänzlich unzerstörbaren 24-70 G bezahlt habe, hätte ich mir fast ein 35-150 kaufen können.

   Bezüglich des Materials und der Verarbeitung liegt das Nikkor weit vorne. Das muss es aber auch, angesichts eines Neupreises, der fast beim doppelten des Tamrons liegt. Das Tamron ist vielleicht nicht für Expeditionen in extreme Gebiete geeignet, für den "Hausgebrauch" reicht es aber allemal.


bedienung


Der Zoomring läuft ganz ähnlich zu dem des Nikkor. Ein Lockschalter verhindert das Ausziehen des Objektivs, z.B. beim Herausnehmen aus der Tasche.

   Der Fokus des Tamrons läuft zügig und treffsicher. Hier ist das Nikkor zwar klar schneller, der Unterschied ist deswegen aber noch lange nicht störend.

   Etwas klein geraten ist der Ring für das manuelle Fokussieren am Tamron. Der kann aber nur bei ausgeschaltetem AF benutzt werden,

da man ansonsten immer gegen den Motor arbeitet. Das ist vielleicht der größte Pferdefuß an diesem Objektiv.

   Die Gegenlichtblende des Tamrons ist leicht aufzusetzen und rastet sauber ein. Sie kommt ohne die Größe und die anfällige Mechanik aus, mit der die mächtige Geli des Nikkors ausgestattet ist.

   Ein Vorteil des Tamrons ist, dass es mit einem leistungsfähigen VR ausgestattet ist. Dieser läßt Belichtungszeiten von um die 1/20 sek. problemlos zu.


brennweite


Viele bemängeln, dass die Brennweite des Tamrons mit 35 mm nach unten zu stark eingeschränkt sei. Das mag sein. Genauso wie bei einem 24-70 mm Objektiv oft Luft nach oben wäre.

   Dafür kommt das Tamron jedoch ohne die qualitativen Einbußen eines "Superzooms" (z.B. 18-200 mm) aus. Unter diesen "Schweizer Taschenmessern" unter den Objektiven habe ich bislang, unabhängig davon, ob sie von Tamron, Sigma oder Nikon kommen, keines mit einer auch nur annähernd zufriedenstellenden Abbildungsleistung finden können.

   Die fehlende Brennweite läßt sich leicht durch die heute gängigen Weitwinkelobjektive mit 15-30 oder 17-35 mm abdecken. Und ganz ohne ein echtes Weitwinkel ging es ja beim 24-70 auch nicht.

Mit 150 mm ist der Telebereich des Tamrons mehr als doppelt so hoch, wie der des Nikkor 24-70. Damit ist das Objektiv in meinen Augen deutlich flexibler einsetzbar.

    Dazu hat das Tamron eine Naheinstellgrenze von 45 cm über den gesamten Brennweitenbereich. Mein Sigma 150 mm Makro kommt auch "nur" auf 38 cm. Und es ist 2 cm länger und knapp 300 Gramm schwerer. Spätestens an einer APS-C Kamera kann man da schon mal getrost auf ein zusätzliches Makro-Objektiv im Rucksack verzichten.

   Dies ist ein weiterer Punkt, der das 35-150 mm für mich so attraktiv macht, spätestens wenn man sich einmal bei Menge und Gewicht der Ausrüstung nicht austoben kann oder möchte.


Nikon D500 + Tamron 35-150 2.8-4.0. 78 mm, 1/800 Sek., f/4.0, ISO 125
Nikon D500 + Tamron 35-150 2.8-4.0. 78 mm, 1/800 Sek., f/4.0, ISO 125

bildqualität


Ich habe noch nicht mehr als eine kleine Reihe von Testbildern machen können, dennoch bin ich bereits von der Bildqualität des 35-150 mm positiv überrascht. CA's sind, wie angekündigt, vorhanden und sichtbar, in Lightroom aber völlig problemlos und vollständig entfernbar.

Den Schärfeverlauf, in Bildern im APS-C- wie auch im Vollformat,  empfinde ich als butterweich. Das wenige, was ich bisher an Bokeh gesehen habe, ist ohne störende Auffälligkeiten.

   Auch von der Randschärfe bin ich positiv überrascht, zumal diese häufig als Schwachpunkt dieses Objektivs beschrieben wurde.


fazit


Für ein endgültiges Fazit ist es noch viel zu früh. Mein momentaner Eindruck ist der, bei einem aktuellen Neupreis von 770,00 EUR, ein Objektiv mit einem sehr soliden Preis-Leistungsverhältnis erhalten zu haben, daß ohne die offensichtlichen qualitativen Schwächen daher kommt, die ich bereits bei einigen anderen Objektiven im ähnlichen Brennweitenbereich erfahren musste.

Zweifellos erreicht das Tamron nicht das Extra an Robustheit und Bildqualität des Nikkors. Es ist kein Profiobjektiv und kostet auch nur die Hälfte. Dafür schließt die Brennweite von 150 mm die bislang vorhandene Lücke. Das Tamron ist zwar nicht so hochwertig wie das Nikkor, aber dafür häufiger und flexibler einsetzbar. Und was nutzt das hochwertigste Objektiv, wenn es doch im Schrank bleibt?