tamron 150-600 mm f/5-6.3 (G1 / G2)



Tele-Zoomobjektive im Bereich von 150-600 mm sind nun schon seit dem Jahr 2015 auf dem Markt. Gewollt habe ich solch ein Objektiv, weil die Endbrennweite von 300 mm der damals gängigen Zooms für die Tierfotografie nicht ausgereicht haben. Echte Alternativen, von den für mich preislich zu hoch angesiedelten Festbrennweiten einmal abgesehen, gab es aber nicht. Die wenigen, bei 400 oder 500 mm endenden Zooms fielen damals in Sachen Bildqualität gerade am hinteren Ende durch. Das änderte sich jedoch mit der Einführung der 150-600mm Objektive durch Tamron und Sigma schlagartig.

   Diese neue Objektivklasse bot nicht nur einen deutlich erweiterten Brennweitenbereich, sie wartete zusätzlich mit überraschend guten Bildergebnissen auf, auch bzw. vor allem am hinteren Ende. Dazu waren sie erfreulich klein und leicht gebaut und bereits kurz nach ihrer Einführung relativ günstig zu erwerben.

Bald folgte das Nikon 200-500, welches, meiner Meinung nach, eine ebenfalls respektable Leistung zeigte, Preis-Leistungsmäßig aber von Anfang an nicht recht mithalten konnte.

   Ich erwarb das Tamron 150-600 mm G1 kurz bevor die "C"-Version von Sigma erschien, was ich aber nie bereut habe. Bald schon rüstete ich auf das neu erschienene G2 auf, da diese Brennweite aus meiner Ausrüstung schon nicht mehr wegzudenken war.

   Heute, 7 Jahre später, ist das 150-600 mm fast so etwas wie mein "Immer-Drauf-Objektiv" geworden, sobald es um die Natur- bzw. Zoofotografie geht. 

   Der geschätzte Anteil von 35-40% meiner Zoobilder ist mit einer Brennweite zwischen 400-600 mm gemacht. Und der Anteil wäre wesentlich höher, würde ich nicht fast ebenso viele Bilder mit Makro-Objektiven aufnehmen. 


Testbild Nikon D500 mit Tamron 150-600 mm
D500, Tamron 150-600 mm G2, 420 mm, 1/500 sek, f:8, ISO 1.000 (Zoo am Meer, Bremerhaven)

bauliches


Das Tamron 150-600 mm G2 war mein erstes Objektiv mit einer Arca-Swiss kompatiblen Aufnahme am Stativfuß. Das empfinde ich noch heute als ein großes Plus und wundere mich noch immer, warum bislang so wenige Hersteller den selben Weg gegangen sind.

   Das G2 ist laut Hersteller gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Das ist gut so und kann von mir nur bestätigt werden. Staub, Sand und Regen hat es bei mir oft abbekommen, ohne dass es bislang sicht- oder spürbare Folgen gehabt hätte. 

   Die Verarbeitung ist hochwertig. Nennenswerte Abnutzungen kann ich bis heute nicht feststellen. Einzig: die Mattierung am vorderen Ende des Tubus ist relativ kratzempfindlich, Gebrauchsspuren sind hier über die Zeit unvermeidlich.

Gemessen an Größe und Gewicht ist das 150-600 mm sicher kein Reiseobjektiv mehr. Doch passt es gut in viele der handelsüblichen Fotorucksäcke. Und tragen lässt es sich über eine längere Zeit hinweg auch, dank des griffigen Stativfußes sogar in der bloßen Hand.

   Bei einem Gewicht von 2 kg lassen sich durchaus noch Bilder aus freier Hand schießen. Allerdings ist hier eine Dimension erreicht, bei der das Auflegen bzw. die Nutzung eines Stativs doch Vorteile bringt!

   Ein weiteres Plus des G2 ist die von 2,70 m auf 2,20 m verkürzte Naheinstellgrenze, die es noch vielseitiger einsetzbar macht.

  Ein Kritikpunkt bleibt: das Anbringen der Sonnenblende ist relativ "frickelig", vor allem, wenn man sie umgekehrt aufsetzen möchte, um das Objektiv wegpacken zu können.


bedienung


Über einen Schalter lässt sich der Zoom beim G2 bei 150 fixieren, um einen sicheren Transport zu gewährleisten. Durch Vorschieben des Zoomringes lässt sich die Brennweite bei Bedarf an jeder beliebigen Position fixieren. Nett zu haben, aber nicht unbedingt notwendig, da sich die Brennweite auch beim Tragen nicht verändert.

   Der Zoomring läuft weich, mit einem angenehmen Widerstand. Von 150 bis 600 mm braucht es nicht ganz eine halbe Umdrehung. Das ist eben noch im einem Zug ohne Nachzufassen zu schaffen.

   Der Autofokus arbeitet zügig und sauber, die Schärfe sitzt auf den Punkt, und der VR des G2 ermöglicht Bilder um die 1/60 Sekunde bei voll ausgezogener Brennweite.

   An einer Nikon D500 ist die Anzahl der nutzbaren Fokusfelder leider auf die echten Kreuzsensoren begrenzt. Das schränkt die Auswahl beim Fokussieren im Einzelfeldmodus ziemlich ein, weshalb es, vor allem bei dunklen Motiven hin und wieder hakeln kann.

An der Nikon Z 6 ist das Fokussieren jedoch über das ganze Messfeld hinweg möglich! Auch das Fokussieren bei relativ dunklen Motiven funktioniert einwandfrei. Dadurch kommt diese Kombination immer häufiger zum Einsatz, sobald ich den schnelleren Autofokus oder den "Brennweitenvorteil" einer D500 nicht benötige.

   Generell finde ich an der Kombination Z 6 und 150-600 mm mit FTZ-Adapter überhaupt nichts auszusetzen! Im Gegenteil, gerade auf meiner letzten Fotosafari habe ich die Vorzüge zu schätzen gelernt, die diese Kombination mit sich bringt.

  Was mir mit steigendem Gebrauch noch aufgefallen ist: bei einer von ca. dreißig Aufnahmen versprang der Fokus beim Auslösen völlig. Seit dem letzten Firmware-Update über das USB-Dock tritt dieses Phänomen allerdings nicht mehr auf. Dieses Update stellt gleichzeitig die volle Kompatibilität zur Nikon Z 6 her.


bildqualität


Das Tamron 150-600 mm mit dem Nikon 600 mm 4.0 zu vergleichen, ist problematisch. Wer das im Hinblick auf die Bildqualität und die Fokusgeschwindigkeit tut, ist schnell fertig. Die Festbrennweite liegt uneinholbar vorne. Dabei vergleicht man aber Äpfel mit Birnen, denn es bleibt der enorme Größen-, Gewichts- und Preisvorteil, sowie die Flexibilität bei der Brennweite des Tamrons außen vor.

  Mit dem Nikon 200-500 mm 5.6 ist es dagegen absolut vergleichbar. Im wahrsten Sinne, denn alle Vergleiche die ich gelesen habe sind sich darin einig, dass sich keines der beiden Objektive vom anderen wirklich absetzen kann. Das Tamron ist aber günstiger.

   Das Tamron liefert sehr gute Ergebnisse, nicht nur die Schärfe und die Detailwiedergabe betreffend. Der Schärfeverlauf ist angenehm weich, die Vignettierung bleibt im absolut beherrschbaren Rahmen und das Bokeh ist frei von unschönen Störungen.

Gerade im hinteren Bereich der Brennweite, also zwischen 500-600 mm, zeigt das Tamron seine Stärke. Im Zentrum sind die Aufnahmen knackscharf, bei einer sehr guter Detailwiedergabe. Der Randabfall hält sich in völlig annehmbaren Grenzen.

   Bei 600 mm Brennweite läuft man schnell in Gefahr, dass das Bild verwackelt. Hier unterstützt der eingebaute VR nach Kräften. Sobald die Lichtverhätlnisse noch eine geeignete Belichtungszeit zulassen, erreicht man mit diesem Objektiv eine erfreulich hohe Trefferquote, gerade verglichen mit Zoom-Objektiven früherer Jahre.

   Viele der auf dieser Homepage zu sehenden Aufnahmen, vor allem unter meinen Zoofotos und den Fotosafaris sind mit diesem Objektiv entstanden und sollten für sich sprechen können. Viele davon hätte ich ohne die enorme Flexibilität, die ein Objektiv mit einem solchen Brennweitenbereich bietet, niemals mit nach Hause nehmen können.


verwendung mit telekonvertern


Aus einer Laune heraus testeten ein Freund und ich, ob das Tamron denn mit dem bereits vorhandenen, alten Sigma Telekonverter APO 1.4x EX DG funktionieren würde. Und siehe da, es klappte!

   Zwar muss der Autofokus ziemlich arbeiten und braucht ein sehr kontrastreiches Motiv, um zu greifen, für die seltenen Gelegenheiten, in denen ich diese Kombination überhaupt nutzen konnte, war dieser Schleichweg auf eine Brennweite von 840 mm absolut ausreichend. Und da der Sigma-Konverter nur noch gebraucht zu bekommen ist, sehr günstig obendrein!

Zuletzt habe ich für das G2 den 2-fach Konverter von Tamron günstig erjagen können. Der kam für eine Safari gerade recht. Einmal war ich mehr als dankbar dafür, ihn dabei zu haben (siehe "Nashorn" unten).

   Ich musste von Hand fokussieren, da der Autofokus bei Blende 11 nicht mehr wollte. Auch darunter war das Motiv auf die Entfernung hin einfach zu kontrastarm? Dennoch freut mich das nachstehende Ergebnis, da wir an das Motiv einfach nicht näher herankommen konnten. Und dabei fällt auf: die Bildqualität mit Konverter ist immer noch besser, als die der ersten "Superzooms" ohne!


fazit


Ich bin Tamron wie Sigma gegenüber äußerst dankbar, dass sie in diesem Brennweitenbereich erschwingliche Objektive geschaffen haben, deren Ergebnisse sich trotzdem nicht zu verstecken brauchen.

   Sie haben meine fotografischen Möglichkeiten um eine Dimension erweitert. Das Tamron 150-600 mm ist für mich ein untrennbarer Bestandteil meiner Ausrüstung.

   Auch nach Jahren des Gebrauchs bin ich mit dem 150-600 mm G2 absolut zufrieden. Die Zufriedenheit steigerte sich noch, nachdem ich das Objektiv auch an Nikons Z-Serie uneingeschränkt nutzen kann. Einziger Wermutstropfen: nach nunmehr 4 Jahren hat mein Fokus-Motor aufgegeben. Dank der 5-Jahresgarantie war das aber kein Thema.

   Im Vergleich zu den Wettbewerbsmodellen von Sigma und Nikon stellt das G2 meiner Meinung nach das stimmigste Modell mit dem besten Preis-/ Leistungsverhältnis dar. Dennoch empfehle ich vorab den Vergleich mit dem Sigma 150-600 5-6.3 DG OS HSM C.

Für alle die sich nicht an der englischen Sprache stören, finden sich interessante Tests bzw. Gegenüberstellungen dieser Objektive hier: 

photographylife.com/reviews/tamron-sp-150-600mm-f5-6-3-g2 

und hier: 

photographylife.com/nikon-200-500mm-vs-tamron-150-600mm-vs-sigma-150-600mm-c.

 

Interessant wird es dieses Jahr, zu sehen, wie es um die Zukunft dieser Objektivklasse steht. Im DSLR-Bereich herrscht zur Zeit eine beängstigende Ruhe. Ich würde es bedauern, wenn sowohl Tamron als auch Sigma hier nicht mehr nachlegen würden.

   Tamron hat für spiegellose Kameras ein 150-500 mm gebracht. Da fehlen mir persönlich die entscheidenden 100 mm Endbrennweite! SIgma ist den 150-600 mm treu geblieben. Beide gibt es aber leider nicht für die Z-Serie. Nikon hat sein Z 200-600 mm für dieses Jahr angekündigt. Ich bin gespannt.


Dafür:

 

+ Gut geschützt gegen Staub und Feuchtigkeit (G2).

+ Ansprechende Bildqualität über den gesamten Brennweitenbereich

   hinweg.

+ Gemessen an der Brennweite gut in der Handhabung. Bilder ohne

   Stativ sind ohne weiteres möglich.

+ Gutes Packmaß. Passt eben noch in viele der gängigen Fototaschen

   bzw. Rucksäcke.

++ Leistungsstarker VR.

++ Stativfuß ist Arca-Swiss kompatibel.

++ Die Naheinstellgrenze beträgt nur 2,20 m.

+++ Enorm vielseitiger Brennweitenbereich.

+++ Meiner Ansicht nach ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Dagegen:

 

- Bildqualität reicht natürlich nicht an die entsprechenden

   Festbrennweiten der großen Hersteller heran.

- Mit 2 kg Eigengewicht wahrlich kein "Reiseobjektiv" mehr.


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Hinweis: Ich fotografiere zu rein privaten Zwecken und schildere hier ausschließlich meine persönlichen Eindrücke. Ich erhalte keinerlei materielle oder finanzielle Zuwendung von Tamron oder anderen hier erwähnten Herstellern.