15 tipps für bessere zoobilder

(durch eigene erfahrung mühsam gesammelt)


Du hast Spaß am Fotografieren im Zoo gefunden? Du willst dabei mehr als bloße Erinnerungsfotos auf dem Handy? Dann können Dir die folgenden Tipps vielleicht weiterhelfen.

   Vorweg gesagt: es gibt ihn nicht, den einzig wahren Weg, gute Bilder zu machen. Im Zoo so wenig wie anderswo. Das wäre ja schließlich auch irgendwie schade. Jeder Fotograf entwickelt mit der Zeit seinen ganz eigenen Weg, die Dinge anzugehen. Deshalb will ich mich hier nicht damit befassen, was einem Zoofoto zu sehen sein soll, als vielmehr damit, wie ein Motiv unter den besonderen Bedingungen im Zoo gut auf das Bild kommt.

Auch wenn man durch die eigenen Fehler bekanntlich am meisten lernt - wie auch ich es selbst immer wieder tue - möchte ich Dir nachfolgend einige Grundlagen nahe bringen, damit Du von Beginn an mehr Spaß an der Zoofotografie haben wirst.

   Beginnen möchte ich mit dem Teil der Lernkurve, mit der größten Auswirkung im finanziellen Bereich: der Wahl der Ausrüstung. Etwas Überlegung und ein klein wenig Marktforschung vor dem Kauf helfen gegenüber spontanen Entschlüssen und kurzlebigen Kompromissen, viel Geld zu sparen. Bereits gut ausgerüstete Fotografen können die Punkte 1 + 2 einfach überspringen.



1. kamera

Ich war in den 80ern auf einer Kurzsafari in Kenia. Ich hatte das Glück, ein Nashorn zu sehen. Ich habe es sogar fotografiert. Doch mit dem 35mm-Objektiv meiner kleinen Minox, blieb das geschossene Foto von dem einige Meter entfernt stehenden Dickhäuter weit hinter der Intensität des Erlebnisses zurück.

   Die Minox war an sich eine gute Kamera, doch für diesen speziellen Zweck völlig ungeeignet. Auch bei der Zoofotografie kann die falsche Kamera zu unbefriedigenden Ergebnissen führen, da wir dort ganz besonders mit folgenden Problemen konfrontiert werden:

 

- oft kommst Du dem Motiv nicht so nahe, wie Du möchtest

- die Lichtverhältnisse wechseln ständig und sind häufig suboptimal

- die Motive besitzen ihren eigenen Willen und können schnell sein

- Glas, Gitter, Besucher oder Gehegeeinrichtung verstellen die Sicht

 

Was also sollte eine Kamera können, um hier Abhilfe zu schaffen?

 

- einen möglichst hohen Brennweitenbereich abdecken. Oder man

  muss die Kamera ständig herunternehmen, weil das Motiv zu dicht

  oder zu weit weg ist.

- auch bei höheren ISO-Werten (6.400) gute Bilder machen. Bei

  trübem Wetter oder in den Tierhäusern mangelt es oft an Licht.

- schnell fokussieren und auslösen. Sonst ist es einfach mal wieder

  weg, das Tier.

- einen großen, hellen optischen Sucher haben. Über den Bildschirm

  lässt sich bei den unterschiedlichen Lichtverhältnissen das Motiv

  einfach nicht sicher genug beurteilen.

 

Mein Rat geht zu den modernen digitalen Spiegelreflexkameras oder spiegellosen Kameras, denn:

 

- sie ermöglichen den Einsatz von Wechselobjektiven. Nur mit ihnen

  lässt sich der notwendige Brennweitenbereich in der gewünschten

  Qualität abdecken bzw. ist eine Spezialisierung mittels einem sehr

  hochwertigen Objektiv mit der "Lieblingsbrennweite" möglich.

- sie ermöglichen das Fotografieren mit in analogen Zeiten völlig

  unvorstellbar hohen ISO-Werten.

- sie lösen vezögerungsfrei aus und fokussieren am schnellsten.

- sie haben die hochwertigsten optischen Sucher zusätzlich zum

  Bildschirm.

 

Heute erfüllen die meisten Modelle aller namhaften Anbieter diese Kriterien, ohne dass sich einer davon besonders herausheben lässt.

Die Wahl des Herstellers ist am Ende eine Frage des Geschmacks, meist unter Mitsprache des eigenen Sparschweins.

  Nimm die für Dich in Frage kommenden Modelle vor dem Kauf im Laden unbedingt einmal selbst in die Hand. Die technischen Werte einer Kamera können noch so gut sein, wenn sie  Dich durch ihre Haptik und die Anordnung der Bedienelemente nicht anspricht, ist die Freude kurz.

   Es müssen auch nicht gleich die teuersten Modelle sein. Bereits die Einsteigermodelle der bekannten Hersteller ermöglichen qualitativ gute Bilder, verfügen nur nicht über sämtliche Zusatzfunktionen bzw. Einstellmöglichkeiten.

   Bleibt noch die Wahl zwischen APS-C und Vollformatkameras. Doch die Antwort auf diese Frage würde den Rahmen sprengen und käme doch zu keinem eindeutigen Ergebnis. Entscheidend dabei ist, welche Kameras mit welcher Bildauflösung und ISO-Leistung letztendlich zur Wahl stehen. Vergleicht man 2 Kameras mit ähnlicher Auflösung, so weist die Vollformatkamera in der Regel ein geringeres Bildrauschen und einen weicheren Schärfeverlauf auf.

   Die APS-C Kamera ist  meist günstiger und man kommt durch den engeren Bildausschnitt vermeintlich "näher" an das Motiv heran. Das ist besonders Nah- bzw. Teleaufnahmen von Vorteil.

   Eine Vollformatkamera mit deutlich höherer Auflösung lässt das nachträgliche Beschneiden einer Aufnahmen zu und hat im Vergleich zum APS-C-Foto immer noch die bessere Auflösung. Jedoch: diese Kameras sind vergleichsweise teuer und stellen höhere Anforderung an die Qualität der verwendeten Objektive.

  Egal wie, die Wahl wird immer zu einem Kompromiss führen, da es die ideale Allround-Kamera einfach nicht gibt, sofern man nicht über ein unbegrenztes Budget verfügt.

 

Elefantenbulle im Amboseli National Park, Kenia. Geschossen mit einer Minox 35, auf Kodakchrome 64, 1982. Wir waren sehr nah dran!
Elefantenbulle im Amboseli National Park, Kenia. Geschossen mit einer Minox 35, auf Kodakchrome 64, 1982. Wir waren sehr nah dran!

2. objektive

Die Wahl des richtigen Objektivs ist in meinen Augen noch wichtiger, als die der Kamera. Ein schlechtes Objektiv mindert das Ergebnis der besten Kamera. Hingegen verhilft ein gutes Objektiv schon an den günstigen Kameras zu besseren Ergebnissen.

   Bei Objektiven gilt leider meist: je besser, desto teurer. Dabei gibt es aber große Unterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern. Es muss natürlich nicht zwingend das Profi-Objektiv zum Preis eines Kleinwagens sein. Vermeintlich günstige Einsteigerlinsen können über die Zeit jedoch zur Unzufriedenheit führen. Dann wird man sich bald nach höherwertigen Objektiven umsehen.

   Nimm Dir für die Auswahl Zeit. Informiere Dich in aller Ruhe über alternative Modelle, teste, wenn möglich. Nur so wirst Du vermeiden, für eine Brennweite mehrmals Geld auszugeben. Teure Objektive gebraucht zu erwerben, ist durchaus eine gute Alternative.

   Wenn Du Dich mit der Zeit für ein höherwertigeres Kameramodell entscheiden solltest, kannst Du die Objektive weiter verwenden. Hier von Beginn an mit Bedacht zu investieren, kann sich über die Jahre gesehen auszahlen.

   Bei den Objektiven gibt es schon seit einigen Jahren Modelle mit Verwacklungsschutz. Auch wenn von einem echten "Schutz" keine Rede sein kann, kann er bei so manchem Bild für den Unterschied zwischen reinem Ausschuss und einem echten Treffer sorgen.

   Für Nahaufnahmen empfehle ich echte Makro-Objektive. Dabei sind Festbrennweiten zwischen 90-200 mm ideal. Bitte verwende kein Zoom mit "Makrofunktion". Diese fokussieren in der Regel langsamer und bringen Einbußen bei der Bildqualität mit sich.

   Eine "Standardbrennweite" im Bereich von 24-70 oder 24-120 mm dabei zu haben, schadet nicht. Allerdings kommt diese Brennweite bei mir vergleichsweise selten zum Einsatz. Daher nehme ich solche Objektive mehr zur Sicherheit mit in den Zoo, um nicht vielleicht doch etwas zu verpassen.

   Ein Teleobjektiv ist für mich im Zoo wie in der Natur ein Muss! Hier darf es auch gerne ein Zoom sein, das in der Regel auch günstiger ist. Meiner Erfahrung nach beginnt es bei Brennweiten ab 300 mm, Spaß zu machen. Um den Tieren nahe zu kommen, rate ich zu Zooms mit mindestens 300, besser 400 oder gar 600 mm maximaler Brennweite, wobei letztere aber gewichtsmäßig vielleicht nicht mehr jedermanns Sache sind. Geschätzte 35-40% meiner Bilder sind im Bereich von 400-600 mm entstanden.

Je höher die Lichtstärke eines Objektivs ist, desto mehr Spielraum bei der Belichtungszeit und der Tiefenschärfe hat man. Makroobjektive sollten eine Offenblende im Bereich von f/2.8-4.0, Teleobjektive bis 300 mm f/2.8-4.0, von 300 mm bis 600 mm f/4.0-6.3 haben.

   Eine geringere Lichtstärke bedeutet nicht gleich eine schlechtere Bildqualität. Nur kommt man damit etwas schneller in eine Situation, bei der ein verwacklungsfreies Bild nicht mehr möglich ist. Leider ist ein Objektiv mit höherer Lichtstärke entsprechend teuer.

   Teste vorab unbedingt auch die Autofokusgeschwindigkeit des Wunschobjektivs: je schneller sie ist, desto besser. Hier gibt es teils deutliche Unterschiede! Fährt das Objektiv erst 5x hin- und her bevor es scharf stellt, ist das Motiv möglicherweise schon entschwunden.

   "Allrounder", also Objektive mit extremen Brennweitenbereichen, wie 18-400 mm, mögen zunächst reizvoll erscheinen, doch habe ich mit ihnen bislang keine guten Erfahrungen gemacht. Selbst wenn die technischen Werte gut klingen mögen, fallen sie bei der Bildqualität bzw. der eben angesprochenen Fokusgeschwindigkeit oft schnell und weit zurück. 

    Generell gilt für die Kamera wie für die Objektive: die Ausrüstung ist immer mitverantwortlich für die Qualität einer Aufnahme, jedoch nicht für das, was darauf zu sehen ist! Im besten Falle ermöglich eine gut geeignete Ausrüstung aber ein Bild in einer Situation, wo anderes Gerät längst versagt hätte. Die Ausrüstung muss zu Dir und Deiner Art und Weise wie bzw. was Du fotografierst passen und Dich dabei so gut wie eben möglich unterstützen, ganz unabhängig von der Marke oder dem Preis.

 

Suboptimale Brennweite :)
Suboptimale Brennweite :)

3. stativ

Selbst bei schönem Wetter und in den Außenbereichen ist ein gutes Stativ hilfreich und kann für das letzte Quäntchen Schärfe sorgen, das die "Aufnahme des Tages" vom Ausschuss trennt.

   Dreibeinstative sind natürlich perfekt, doch wegen ihres deutlichen Platzbedarfs nur selten für den Zoo geeignet. Sie werden schnell zu einer Zumutung oder gar Stolperfalle für andere Besucher und damit  auch zur Gefahr für die eigene Ausrüstung. Außerdem ist man mit einem Dreibein oft einfach nicht schnell und flexibel genug. (Manche Tierparks erheben hierfür sogar ein zusätzliches Eintrittsgeld).

Stabile Einbeinstative sind für mich der beste Kompromiss. Sie sind vergleichsweise günstig, benötigen weit weniger Stellfläche und lassen sich leichter transportieren. Und man ist deutlich schneller, wenn es gilt, den Standort zu wechseln.

   Meide aber in jedem Falle die Billigteile. Achte unbedingt darauf, dass das Stativ wertig und stabil verarbeitet ist und die angegebene Tragkraft für deine Ausrüstung ausreicht. Oder möchtest Du wirklich Deine möglicherweise viele Hundert Euro teure Ausrüstung einem Stativ für 30 Euro anvertrauen?


4. (kein!) blitz

Hier lohnt sich das Sparen hingegen am allermeisten. Man kann es leider nicht oft genug erwähnen: spare Dir den Blitz, ganz gleich ob er in Deinem Zoo ohnehin ausdrücklich verboten ist oder nicht!

  Blitzlicht ruiniert Zoobilder in den meisten Fällen völlig und es stört andere Besucher.

Doch vor allem, und das scheint viele Besucher zu überraschen, werden die Tiere durch das Blitzlicht enorm gestresst oder sogar geschädigt. Erfahrene, leidgeprüfte Tiere drehen sich schon weg, sobald sie nur eine Kamera sehen. Auch das Fokus-Hilfslicht lasse daher bitte ausgeschaltet!


5. transportbehältnis

Dieses Thema ist im Hinblick auf den Wohlfühl- und Sicherheitsfaktor nicht zu unterschätzen. Sorge immer für einen hohen Tragekomfort, damit sich ein längerer Zoobesuch nicht schmerzhaft bemerkbar machen kann.

 Persönlich rate ich von Umhängetaschen zugunsten von Rucksäcken, Hüfttaschen oder Gürtelsystemen ab. Schultertaschen rutschen nicht selten ausgerechnet im entscheidenden Moment der Aufnahme von der Schulter. Oder Du stellst die Tasche jedes Mal am Boden ab, wo sie für Dich und andere zum Hindernis wird.

Je weniger Gedanken Du Dir beim Fotografieren um den Transport der Ausrüstung machen musst, umso besser. Achte darauf, dass die mitgeführte Ausrüstung schnell und sicher erreichbar ist. Wenn Du bei einem Objektivwechsel erst mühsam umpacken musst, hat sich Dein Motiv möglicherweise bereits verzogen.

   Auch hier lohnt es sich, nicht nach dem Billig-Produkt zu greifen, wenn Du Dich auf die Verarbeitung verlassen und längerfristig investieren möchtest. Der Gebrauchtmarkt bietet hier eine Menge guter Gelegenheiten!


6. fotografieren durch gitter

Gitter sind auch optisch ein Hindernis. Es hilft, so nahe wie möglich bzw. zulässig an das Gitter heranzugehen. Im Idealfall kann man das Objektiv am Gitter anlegen.

   Benutzt Du dann noch ein möglichst lichtstarkes Objektiv, kannst Du die Gitter bei offener Blende durch die geringere Tiefenschärfe nahezu verschwinden lassen.

 Dabei muss der Abstand zwischen Kamera und Gitter deutlich kürzer sein, als der des Motivs zum Gitter, sonst funktioniert dieser Effekt nicht mehr. Befindet sich das Motiv bereits sehr dicht am Gitter sind alle Mühen vergebens.

   Beachte dabei, dass auf das Gitter selbst kein oder möglichst wenig Licht fällt. Scheint die Sonne direkt auf das Gitter, überstrahlen die Reflexe das Motiv. Schon den Versuch kannst Du Dir sparen.

   Mit Gittern im Bildhintergrund verhält es sich genauso. Je größer der Abstand des Motivs dazu ist, umso größer ist die Chance, dass sie auf dem Foto später nicht zu sehen sind.

   Sind Gitter später auf dem Foto sichtbar, stören sie oft sehr, und sind selbst in der Nachbearbeitung nur sehr mühsam zu entfernen. Damit wird ein Bild schnell uninteressant oder gar unbrauchbar.

Zu großer Eigenabstand zum Drahtzaun. Ein störendes Gittermuster ist deutlich zu erkennen.
Zu großer Eigenabstand zum Drahtzaun. Ein störendes Gittermuster ist deutlich zu erkennen.

7. fotografieren durch glasscheiben

Glas hat andere störende Eigenschaften als Gitter. Gerne spiegelt sich darauf das direkte Umfeld und macht das Motiv unkenntlich. Es hat mir Bilder verdorben, als genau im Moment der Aufnahme hinter mir jemand in einem blau-weiß gestreiften Pulli vorbeiging. Die Streifen spiegelten sich in der Scheibe und waren aus dem Bild nicht mehr herauszubekommen.

   Manchmal können andere Besucher aber auch helfen, dank ihres Schattens störenden Lichteinfall zu mindern.

   Gehe so nah an das Glas wie es geht, um störende Einflüsse so weit wie möglich zu mildern. Im Idealfall kann man das Objektiv an der Scheibe anlegen. Trage selbst möglichst dunkle, unifarbene Kleidung.

   Und besonders wichtig: fotografiere immer gerade durch die Scheiben hindurch! Fotografiert man vor allem durch die in Zoos häufig zu findenden Panzerglasscheiben schräg, verliert das Bild enorm an Schärfe. Ganz gleich wie gut es vielleicht auf dem Display noch ausschauen mag, die Betrachtung auf dem PC offenbart es später gnadenlos!

Wilde Reflexe auf der Glasscheibe. Manchmal reizvoll, meist aber einfach nur störend.
Wilde Reflexe auf der Glasscheibe. Manchmal reizvoll, meist aber einfach nur störend.

8. termin

Achte bei der Planung des Zoobesuchs besonders auf Brücken- und Feiertage oder Ferien. Warum? Nicht nur, dass der an solchen Tagen wahrscheinliche Besucheransturm weniger Möglichkeiten zur "Entfaltung" bietet. Je voller der Zoo, desto mehr ziehen sich die Tiere in der Regel zurück und sind weniger gut zu sehen, als an normalen Tagen.

Doch ist so ein Tag nicht automatisch sinnlos. Sind einmal sehr viele Menschen im Zoo, suche ich erst die nicht so populären Bereiche auf und bewege mich möglichst gegen den Strom. 

 

„Ich will jetzt aber zu den Erdmännchen. Eeeeerdmännchen, wie süüüüüüüüüüüüüüüß!. Papa, können wir jetzt gehen?“.


9. uhrzeit

Es gibt keine perfekte Tageszeit für einen Zoobesuch. Manche Tiere sind morgens sichtbar und verbergen sich im Lauf des Tages vor den zunehmenden Besuchermengen. Andere sind dagegen vielleicht in der Dämmerung aktiv und erscheinen erst am späteren Nachmittag. Auch die Reinigungs- und Fütterungszeiten haben großen Einfluss darauf, zu welcher Zeit die Tiere am besten zu beobachten sind.

Natürlich sind die Morgen- und Abendstunden wegen des schöneren Lichteinfalls immer empfehlenswert. Jedoch liegen manche Gehege dann noch oder schon komplett im Schatten. Hier heißt es schlicht, eigene Erfahrungen zu sammeln.

  Bietet Dein Zoo gelegentlich verlängerte Öffnungszeiten an? Dann ist das eine ideale Gelegenheit für ungewöhnliche Bilder.


10. wetter

Trübe Tage bringen schlechte Lichtverhältnisse mit sich. An einem wolkenverhangenen Tag reicht das Licht selbst unter freiem Himmel schnell nicht mehr zum Fotografieren aus. Auch sind die Tiere oft weniger aktiv, als bei Sonnenschein.

   Trübe Tage versprechen andererseits aber leere Zoos. Die Tiere zeigen dann oft ein verändertes Verhalten oder besetzen andere Stellen im Gehege, wodurch sich vielleicht wieder neue, interessante Motive ergeben.

   Selbst bei schlechtem Wetter bleibt immer noch die Möglichkeit, in aller Ruhe in den deutlich leereren Häusern zu fotografieren.

   Strahlender Sonnenschein ist aber auch kein Garant für tolle Bilder. Gerade die Mittagssonne kann schnell zu viel des Guten sein und die Motive überstrahlen oder die Hitze treibt die Tiere in den Schatten oder zurück in die Ställe oder Häuser!

Dammwild - wetterfest!
Dammwild - wetterfest!

"Opa, wann kommen wir den zu den lustigen Fischen?".

(Vor uns ein Becken voller "Clownfische". Sie scheinen alle etwas betreten dreinzuschauen).


11. iso-automatik

Auch wenn sie nicht immer frei von Tücken ist: ich nutze die ISO-Automatik bei voreingestellter Blende im Zoo regelmäßig.

   Denn ich habe schon häufig Situationen erlebt, in denen mir nur wenige Sekunden für ein gutes Bild geblieben sind, da das Tier sofort die Position geändert hat. Hätte ich die ISO erst manuell auf den idealen Wert einstellen müssen, wäre mir das Motiv in diesen Fällen entgangen.

  Außerdem verändern sich die Lichtverhältnisse bei einem Rundgang im Zoo ständig. Mal befindet sich ein Motiv im Sonnenlicht, mal im Schatten. Eben ist man am Freigehege, dann in einem Gebäude. Da vergisst man schnell einmal auf die ISO zu achten und schon geht ein Bild verloren. Auch ist es ärgerlich, wenn man zuhause feststellt, eine ganze Serie versehentlich mit falscher ISO geschossen zu haben.

   Ein unnötig hoher ISO-Wert drückt die Bildqualität. Er verstärkt das Bildrauschen und senkt den Dynamikumfang. Bei einer zu niedrigen ISO verwackelt das Bild möglicherweise.

   Mache mit Deiner Kamera ein paar Testbilder bei steigenden ISO-Werten und werte die Bilder am PC aus. Den höchsten ISO-Wert, bei dem die Bildqualität noch akzeptabel ist, bzw. die Nebenwirkungen in der Nachbearbeitung noch gut zu korrigieren sind, nehme ich als Höchstwert für die ISO-Automatik, den ich nur in Extremfällen und dann auch nur ganz bewusst manuell überschreite.

   Erst wenn erkennbar ist, dass mir das Motiv ausreichend Zeit für weitere Aufnahmen lässt, optimiere ich die Einstellungen von Hand. Und stelle dann hoffentlich wieder auf Automatik ;o)

Typischer Fall von "zu spät"!
Typischer Fall von "zu spät"!

Der Vorteil dieser Variante liegt in der hohen Flexibilität bei stark wechselnden Lichtverhältnissen. Oft gibt man der Automatik dabei aber eine recht lange Belichtungszeit (z. B. 1/125 sec) vor. Diese kann bei bewegten Motiven aber zu kurz sein und zu unscharfen Bildern führen.

   Eine andere Variante ist, die ISO-Automatik zwar einzuschalten, die Kamera jedoch auf den manuellen Modus einzustellen und hier die für die angestrebten Motive optimalen Werte für Belichtungszeit und Blende auszuwählen. Empfehlenswert z. B. für jede Flugshow.

   Hier liegt das Risiko nicht mehr so sehr in unscharfen Aufnahmen sondern darin, dass die Kamera entsprechend schneller zu höheren ISO-Werten greift.


12. serienbilder

Vorbei sind die Zeiten, als jede Aufnahme auf Dia- oder Bilderfilm bares Geld gekostet hat. Die Älteren werden sich noch erinnern :)

   Digitalkameras lassen Serienbilder in hoher Geschwindigkeit zu, ohne das jede Auslösung Geld kostet. Das ist echter Luxus!

   Serienbilder können hilfreich sein, um vielleicht den besonderen Moment des Blickkontaktes zu erwischen, um das eine Bild zu haben, das schlussendlich das entscheidende Quäntchen schärfer ist oder jenes, auf welchem das Tier die schönere Pose zeigt.

   Ich schieße gerne kurze Serien um die 3-5 Bilder im langsamen Modus. So sinkt das Risiko, dass Bilder verwackelt sind oder die Tiere in in der Sekunde der Aufnahme die Augen geschlossen hatten. Tiere in "Action" berechtigen auch zu längeren, schnellen Serien!

   Ich kann aus 3 Gründen aber nur davon abraten, den Finger ständig auf dem Auslöser zu halten und minutenlange Serien zu schießen:

  Erstens hat das meiner Ansicht nach mit bewusster Fotografie nichts mehr zu tun.

   Zweitens verlierst Du sehr schnell den Spaß daran, aus Hunderten von Bildern das beste auszuwählen. Häufig verstopfen diese Serien unbearbeitet den heimischen Rechner.

   Und zuletzt wird die Lebensdauer einer Digitalkamera in der Zahl ihrer Auslösungen gemessen. Dazu zählen eben leider auch alle

Der richtige Moment für Serienbilder
Der richtige Moment für Serienbilder

unnütze geschossene Bilder! Und gehen damit doch ein Stück weit ins Geld.

   Jedoch: wenn Du glaubst, das Bild des Tages geschossen zu haben und das Motiv Dir Zeit für weitere Bilder lässt, nutze die Gelegenheit! Ich musste schon oft feststellen, dass die Bilder auf dem Display der Kamera besser aussahen, als bei der Sichtung am PC. Häufig war ich froh, weitere Bilder gemacht zu haben, die schlussendlich noch den entscheidenden Hauch besser waren.


13. bildkomposition / annäherung an die tiere

Jeder Mensch hat seine eigene Auffassung von gelungenen Bildern und das soll auch so sein. Ganz gleich ob ich das Tier in Gänze, ein Portrait oder ein Detail aufnehmen möchte: vom Gehege sollte in jedem Fall so wenig wie möglich zu erkennen sein. Also keine Bilder an Futterstellen, vor Gittern, Ställen oder ähnliches.

   Im Idealfall sollte man eine Aufnahme aus dem Zoo nicht von einer in freier Wildbahn unterscheiden können! Ich habe nur ganz wenige Aufnahmen, die gerade deshalb interessant sind, dass sie das Tier in Verbindung mit seinem Gehege zeigen.

   Bilder werden dann für den Betrachter besonders spannend, wenn die Augen der Tiere sichtbar sind, ja sogar Blickkontakt besteht. Dies gilt vor allem für Tierportraits. Rückansichten von Tieren mögen vielleicht den momentanen Jagdtrieb befriedigen, werden spätestens zuhause aber doch aussortiert.

   Je näher man den Tieren kommen möchte, um so wichtiger ist es, dabei auf ihre Reaktion zu achten. Wenn sie dabei den Kopf wenden, aufstehen oder gar den Standpunkt verändern, sollte man sich den nächsten Schritt sparen, das Tier wird sonst in Deckung gehen. Bei der ersten deutlichen Bewegung des Tieres innehalten, vorsichtige Bewegungen mit der Kamera machen, zur Sicherheit ein erstes Bild schießen. Entspannt sich das Tier, kann man einen weiteren Schritt wagen.

   Niemals frontal auf ein Tier zulaufen und dabei noch die Kamera hochreißen. Dies signalisiert eine handfeste Bedrohung und verleitet selbst abgehärtete Zootiere zur Flucht.

   Besser ist es, Desinteresse zu heucheln, und sich indirekt, etwa im Zickzack, auf das Tier zuzubewegen und die Kamera dabei seitlich zu 

Blickkontakt
Blickkontakt

halten. Vermeide dabei direkten Blickkontakt! Mag lustig klingen, hilft aber sehr.

   Wenn ich die Kamera hochnehme, tue ich das seitlich zum Tier und drehe mich dann langsam zu ihm hin. Dabei kann es vorkommen, dass das Tier neugierig auf die Kamera wird und von sich aus zu mir schaut oder gar näher kommt. Das ist der Moment, auf den man vielleicht schon lange gewartet hat. 

   Etwas schwieriger, aber durchaus lohnenswert kann es sein, das Tier auf sich zukommen zu lassen. Es gibt Momente, in denen Tiere in feste Bewegungsmuster verfallen. Diese schaue ich mir an, suche mir dabei eine passende Stelle aus, richte mich mit der Kamera darauf ein und warte, dass das Tier genau dort erscheint. Mit etwas Glück lässt sich das einige Male hintereinander wiederholen.

 

"Aber Oma, Meerschweinchen an Land, das geht doch gaaaaar nicht!"


14. bildauswahl + bearbeitung

Sei vom ersten Tag an streng mit Dir! Sichte Deine Bilder frühzeitig und sortiere alle nicht gelungenen Fotos aus. Selbst ein bisschen scharf ist unscharf! Beweis- oder Erinnerungsbilder sind nur sinnvoll, wenn Du das Bild später gegen gelungene Aufnahmen austauschen möchtest. Ansonsten wächst Ihnen die Menge an Bildern schnell über den Kopf.

   Überlege stets, was Du mit Deinen Bildern zeigen möchtest und ob Dir das in jedem Einzelfall gelungen ist. Bilder, die anderer Bilder zu ihrer Erklärung bedürfen, funktionieren nicht und gehören daher aussortiert!

  Vergleiche alte und neue Bilder mit den gleichen Tieren miteinander und sortiere die weniger gelungenen aus! Wenn Du den Vorgang mit einigem zeitlichen Abstand wiederholst, erleichtert das die Auswahl deutlich.

   Sei nicht enttäuscht, wenn nach einem Besuch vielleicht nur eine Handvoll brauchbarer Aufnahmen übrig bleiben. Das ist ein ganz normaler Schnitt.

Ich kenne Fotografen, die größten Wert darauf legen, dass ihre Bilder bereits "out of cam" perfekt sind, also keiner oder nur minimaler Bearbeitung bedürfen. Das ist ein edles Ziel.

  Ohne in diese Grundsatzdiskussion einsteigen zu wollen: ich arbeite immer daran, bereits in der Kamera ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Doch ich erlebe die Zoofotografie als sehr ereignisabhängig, soll heißen, es bleibt für ein Bild oft nur sehr wenig Zeit. Meist zu wenig, um die optimalen Einstellungen zu finden. Ganz besonders der Weißabgleich ist wegen der verschiedenen Lichtquellen in einem Zoo schwer zu beurteilen und über die Kamera zu steuern.

   Wenn Du an der Zoofotografie gefallen findest, traue Dich doch auch an das Thema "Bildbearbeitung" heran. Sei es auch nur, um die Bilder vielleicht noch schöner zu machen, als sie es ohnehin schon sind :o)

 

Der Enkel zur Oma: „Wo sind denn die wirklich gefährlichen Fische? Die mit FEUER oder GIFT?“


15. geduld

Zu guter Letzt: erwarte bitte nicht, gleich beim ersten Zoobesuch alle Tiere optimal vor die Linse zu bekommen. Ich lese immer wieder Bewertungen mit Beschwerden, man habe viele Tiere nicht sehen können. Es spricht für die Qualität eines Zoos, wenn die Tiere über genügend Rückzugsräume verfügen und sich so einmal „unsichtbar“ machen können.

   Gehe dort doch einfach auf dem Rückweg noch einmal vorbei. Oder nutze die gewonnene Zeit, um bei Tieren vorbeizugehen, die gar nicht auf Deiner Liste waren. Manche Tiere "erwischt" man aber so oder so erst beim x-ten Besuch.

Sind Tiere gut sichtbar oder besonders aktiv, nimm Dir reichlich Zeit zur Beobachtung. Schieße nicht nur 2 Bilder und gehe dahin, wo es dann vielleicht nichts mehr zu sehen gibt. Manche Tiere gewöhnen sich schnell an den Menschen vor dem Gehege und geben dann noch viel schönere Motive ab. Häufig merkt man erst viel später, dass eine solche Szene einmalig war.

 

 Ein Junge, seinem Vater vorweglaufend: „Gesehen, nächster! Gesehen, nächster! Gesehen, nächster! Gesehen, nächster!...“  (Stimme verschwindet in der Entfernung).



Wenn Du jetzt noch einen guten Tag erwischst und noch dazu von Besuchern verschont bleibst, die meinen herumschreien, gegen Scheiben schlagen oder mit blitzenden Handys Selfies vor den Gehegen machen zu müssen, entstehen bestimmt ein paar gute Aufnahmen. Lasse Dich überraschen.

 

Besucher zu seinem Freund: „Ey, ALTER! Hast Du den blöden Affen gesehen? Der guckt voll dämlich!“. Er haut gegen die Scheibe und ruft „Ey, Du blöder Affe!“.

  Viatu, der Silberrücken des Frankfurter Zoos, wirft mir einen Blick zu und verdreht die Augen, als wolle er mir sagen: „Ja, ich habe ihn gesehen!“

Viatu - genervt!
Viatu - genervt!


Ich freue mich an dieser Stelle über Deine Kommentare oder Anregungen. Solltest Du Fragen zum Thema Zoofotografie haben, dann nutze bitte das Kontaktformular. Dann kann ich direkt antworten.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Tobias (Sonntag, 26 Januar 2020 08:31)

    Super Tipps, sofort ersichtlich, dass du weißt, was du tust. Danke dafür!

  • #2

    Ingo (Montag, 27 Januar 2020 10:21)

    Hallo Tobias,
    vielen Dank! Ich habe mich sehr über die nette Rückmeldung gefreut!