15 tipps für bessere zoobilder

(durch eigene erfahrung mühsam gesammelt)


Sie haben Spaß am Fotografieren im Zoo gefunden? Sie wollen mehr als bloße Erinnerungsfotos auf dem Handy? Dann können Ihnen die nachfolgenden Tipps vielleicht weiterhelfen.

   Vorweg gesagt: es gibt ihn nicht, den einzig wahren Weg, gute Bilder zu machen. Im Zoo so wenig wie anderswo. Das wäre ja schließlich doch auch irgendwie schade. So aber entwickelt jeder Fotograf mit der Zeit seinen ganz eigenen Weg, die Dinge anzugehen.

Ich erlebe bei Besuchen aber immer wieder, dass besonders ganz grundlegende Dinge nicht bedacht werden. Auch wenn man durch die eigenen Fehler bekanntlich am meisten lernt - wie auch ich selbst es immer wieder tue - möchte ich Ihnen nachfolgend einige dieser Grundlagen nahe bringen, damit Sie von Beginn an mehr Spaß an der Zoofotografie haben. Vielleicht berichten Sie dann eines Tages selbst über Ihre Erfahrungen?



1. kamera

Die Hauptschwierigkeiten bei der Zoofotografie sind:

 

- ständig wechselnde, dabei häufig unzureichende Lichtverhältnisse

- eigenwillige, teilweise sehr schnelle Motive

- verstelltes Sichtfeld (Glas, Gitter, Besucher, Gehegeeinrichtung)

 

Hier hilft nur eine geeignete Kamera. Mit Handys oder Tablets lassen sich unter diesen Bedingungen höchstens Zufallstreffer erzielen.

   Sofern Sie auch in Häusern, Terrarien oder Aquarien fotografieren möchten, sollte Ihre Kamera auch bei hohen Werten, idealerweise bis ISO 6.400 noch qualitativ gute Bilder liefern.

   Sie sollte sehr zügig fokussieren und direkt auslösen können und eine möglichst große Abdeckung des Bildfeldes durch den Autofokus haben. Ein großer, heller Sucher ist ebenfalls empfehlenswert.

  Mein Rat geht zu Kameras mit Wechselobjektiven. Sie sind in Sachen Bildqualität noch immer hochwertiger und machen den Einsatz von wirklich geeigneten Objektiven überhaupt erst möglich!

   Heute erfüllen die meisten aktuellen digitalen Spiegelreflexkameras oder spiegellosen Kameras aller großen Anbieter die wichtigsten Kriterien. 

Die Wahl des Herstellers ist daher eher Geschmackssache. Nehmen Sie die in Frage kommenden Modelle vor dem Kauf im Laden einmal selbst in die Hand und wählen Sie das Modell, das Sie am meisten anspricht. Dabei müssen es nicht zwangsläufig die teuersten Modelle sein. Oft ermöglichen bereits die günstigeren Kameras der gängigen Hersteller sehr gute Bilder, verfügen nur nicht über die volle Palette an Zusatzfunktionen oder Einstellmöglichkeiten.

   Bleibt noch die Wahl zwischen APS-C und Vollformatkameras. Die Antwort auf diese Frage würde den Rahmen sprengen und käme doch zu keinem eindeutigen Ergebnis. Entscheidend dabei ist, welche Modelle mit welcher Bildauflösung und ISO-Leistung letztendlich zur Wahl stehen. Vergleicht man 2 Kameras mit ähnlicher Auflösung, so weist die Vollformatkamera in der Regel ein geringeres Bildrauschen auf. Die APS-C Kamera ist hingegen meist günstiger. Bei Kameras mit gleicher Auflösung kommt eine APS-C Kamera durch ihren engeren Bildausschnitt bei Nah- bzw. Teleaufnahmen entgegen. Aufnahmen im Vollformat müssen für den gleichen Bildausschnitt nachträglich beschnitten werden, wobei sie an Auflösung verlieren.

  Egal wie, die Wahl wird immer zu einem Kompromiss führen, da es die ideale Allround-Kamera einfach nicht gibt. 


2. objektive

Die Wahl des richtigen Objektivs ist in meinen Augen wichtiger, als die der Kamera. Ein schlechtes Objektiv mindert das Ergebnis der besten Kamera. Hingegen verhilft ein gutes Objektiv auch an den günstigen Kameras zu besseren Ergebnissen.

   Bei Objektiven gilt leider meist: je teurer, desto besser. Dabei gibt es aber große Unterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern. Es muss natürlich nicht zwingend das Profi-Objektiv zum Preis eines Kleinwagens sein. Vermeintlich günstige Einsteigerlinsen können über die Zeit jedoch zur Unzufriedenheit führen. Dann wird man sich bald nach höherwertigen Objektiven umsehen.

   Lassen Sie sich Zeit bei der Auswahl. Informieren Sie sich in Ruhe über alternative Modelle, testen Sie wenn möglich. Nur so werden Sie vermeiden, für eine Brennweite mehrmals Geld auszugeben. Teure Objektive gebraucht zu erwerben, ist durchaus eine gute Alternative.

   Wenn Sie sich mit der Zeit für ein höherwertigeres Kameramodell entscheiden sollten, können Sie die Objektive weiter verwenden. Hier von Beginn an mit Bedacht zu investieren, kann sich über die Jahre hinweg auszahlen.

   Auch bei den Objektiven gibt es Modelle mit Verwacklungsschutz. Auch wenn von einem echten "Schutz" keine Rede sein kann, sorgt er bei so manchem Bildfür den Unterschied zwischen reinem Ausschuß und einem echten Treffer.

   Für Nahaufnahmen empfehle ich echte Makro-Objektive. Dabei sind Festbrennweiten zwischen 90-200 mm ideal. Bitte verwenden Sie kein Zoom mit "Makrofunktion". Diese fokussieren in der Regel langsamer und bringen Einbußen bei der Bildqualität mit sich.

Ein Teleobjektiv ist für mich im Zoo wie in der Natur ein Muss! Hier darf es auch gerne ein Zoom sein, das in der Regel auch günstiger ist. Meiner Erfahrung nach beginnt es bei Brennweiten ab 300 mm, Spaß zu machen. Um den Tieren nahe zu kommen, rate ich zu Zooms mit mindestens 300, besser 400 oder gar 600 mm maximaler Brennweite, wobei letztere gewichtsmäßig aber vielleicht nicht jedermanns Sache sind.

   Eine hohe Lichtstärke des Objektivs bietet mehr Spielraum bei der Belichtungszeit und der Tiefenschärfe. Gute Makroobjektive haben eine Offenblende von f/2.8-4.0,  Teleobjektive bis 300 mm f/2.8-4.0, von 300 mm bis 600 mm f/4.0-6.3.

   Testen Sie vorab unbedingt auch die Fokusgeschwindigkeit Ihres Wunschobjektivs, je schneller desto besser. Hier gibt es teils deutliche Unterschiede! Wenn das Objektiv erst 5x hin- und herfährt, bevor es scharf stellt, ist das Motiv möglicherweise schon entschwunden.

   "Allrounder", also Objektive mit extremen Brennweitenbereichen, wie 18-400 mm mögen zunächst reizvoll klingen, doch habe ich mit ihnen bislang keine guten Erfahrungen gemacht. Selbst wenn sie von den technischen Werten her gut klingen, fallen sie bei der Bildqualität bzw. der Fokusgeschwindigkeit schnell und weit zurück. 

    Generell gilt für die Kamera, wie für die Objektive: die Ausrüstung ist mitverantwortlich für die Qualität einer Aufnahme, jedoch nicht für das, was darauf zu sehen ist! Die Ausrüstung muss zu Ihnen und Ihrer Art und Weise wie Sie fotografien passen und Sie dabei so gut wie möglich unterstützen, ganz unabhängig von der Marke oder dem Preis.


3. stativ

Selbst bei schönem Wetter und in den Außenbereichen ist ein gutes Stativ hilfreich und kann für das letzte Quäntchen Schärfe sorgen, das die "Aufnahme des Tages" vom Ausschuss trennt.

   Dreibeinstative sind natürlich perfekt, doch wegen ihres deutlichen Platzbedarfs nicht immer für den Zoo geeignet. Sie werden schnell zur Stolperfalle für andere Besucher und damit zur Gefahr für die eigene Ausrüstung. Außerdem ist man mit einem Dreibein oft einfach nicht schnell und flexibel genug.

Stabile Einbeinstative sind für mich der beste Kompromiss. Sie sind günstiger, brauchen weit weniger Stellplatz und lassen sich leichter transportieren. Und man ist schneller, wenn es gilt, den Standort zu wechseln.

   Meiden Sie aber in jedem Falle die Billigteile. Achten Sie unbedingt auf eine hohe Stabilität und eine solide Verarbeitung, oder möchten Sie wirklich ihre möglicherweise viele Hundert Euro teure Ausrüstung einem Stativ für 30 Euro anvertrauen?


4. (kein!) blitz

Hier lohnt sich das Sparen hingegen am allermeisten. Man kann es leider nicht oft genug sagen: sparen Sie sich den Blitz, egal ob in Ihrem Zoo ohnehin ausdrücklich verboten oder nicht!

  Blitzlicht ruiniert Ihre Zoobilder in den meisten Fällen völlig und es stört andere Besucher.

Doch vor allem, und das scheint viele Besucher zu überraschen, werden die Tiere durch das Blitzlicht enorm gestresst oder sogar geschädigt. Erfahrene, leidgeprüfte Tiere drehen sich schon weg, sobald sie nur eine Kamera sehen.

   Auch das Fokus-Hilfslicht sollten Sie ausgeschaltet lassen!


5. transportbehältnis

Dieses Thema ist im Hinblick auf den Wohlfühl- und Sicherheitsfaktor nicht zu unterschätzen. Sorgen Sie für einen hohen Tragekomfort, damit sich ein längerer Zoobesuch nicht schmerzhaft bemerkbar machen kann.

 Persönlich rate ich von Umhängetaschen zugunsten von Rucksäcken, Hüfttaschen oder Gürtelsystemen ab. Schultertaschen rutschen nicht selten ausgerechnet im entscheidenden Moment der Aufnahme von der Schulter.

Achten Sie darauf, dass die mitgeführte Ausrüstung schnell und sicher erreichbar ist. Wenn Sie bei einem Objektivwechsel erst mühsam umpacken müssen, hat sich Ihr Motiv möglicherweise bereits verzogen.

   Auch hier lohnt es sich, nicht nach dem 20 Euro-Produkt zu greifen, wenn man sich auf die Verarbeitung verlassen und längerfristig investieren möchte. Der Gebrauchtmarkt bietet auch hier eine Menge guter Gelegenheiten!


6. fotografieren durch gitter

Gitter sind auch optisch ein Hindernis. Es hilft, so nahe wie möglich bzw. zulässig an das Gitter heranzugehen. Im Idealfall kann man das Objektiv am Gitter anlegen.

   Benutzt man dann noch ein möglichst lichtstarkes Objektiv, kann man die Gitter bei offener Blende durch die geringere Tiefenschärfe fast verschwinden lassen.

 Dabei muss der Abstand zwischen Kamera und Gitter deutlich kürzer sein, als der des Motivs zum Gitter, sonst funktioniert dieser Effekt nicht mehr. Befindet sich das Motiv bereits sehr dicht am Gitter sind alle Mühen vergebens.

   Beachten Sie dabei, dass auf das Gitter selbst kein oder möglichst wenig Licht fällt. Scheint die Sonne direkt auf das Gitter, überstrahlen die Reflexe das Bild. Schon den Versuch kann man sich sparen.

   Mit Gittern im Bildhintergrund verhält es sich genauso. Je größer der Abstand des Motivs dazu ist, umso größer ist die Chance, dass sie auf dem Foto später nicht zu sehen sind.

   Sind Gitter später auf dem Foto sichtbar, stören sie oft sehr, und sind selbst in der Nachbearbeitung kaum zu entfernen. Damit wird ein Bild schnell unbrauchbar.

Zu großer Eigenabstand zum Drahtzaun. Ein störendes Gittermuster ist deutlich zu erkennen.
Zu großer Eigenabstand zum Drahtzaun. Ein störendes Gittermuster ist deutlich zu erkennen.

7. fotografieren durch glasscheiben

Glas hat andere störende Eigenschaften als Gitter. Gerne spiegelt sich darauf das direkte Umfeld und macht das Motiv unkenntlich. Es hat mir Bilder verdorben, als genau im Moment der Aufnahme hinter mir jemand in einem blau-weiß gestreiften Pulli vorbeiging. Die Streifen spiegelten sich in der Scheibe und waren aus dem Bild nicht mehr herauszubekommen.

   Manchmal können andere Besucher aber auch helfen, dank ihres Schattens störenden Lichteinfall zu mindern.

   Gehen Sie so nah an das Glas wie möglich, um störende Einflüsse so weit wie möglich zu mildern. Tragen Sie selbst möglichst dunkle, unifarbene Kleidung.

   Und besonders wichtig: fotografieren sie immer gerade durch die Scheiben hindurch! Fotografiert man vor allem durch die in Zoos häufig zu findenden Panzerglasscheiben schräg, verliert das Bild enorm an Schärfe, ganz gleich wie gut es vielleicht auf dem Display noch ausschauen mag. Die Betrachtung auf dem PC offenbart es später gnadenlos!

Wilde Reflexe auf der Glasscheibe. Manchmal reizvoll, meist aber einfach nur störend.
Wilde Reflexe auf der Glasscheibe. Manchmal reizvoll, meist aber einfach nur störend.

8. termin

Achten Sie bei der Planung des Zoobesuchs besonders auf Brücken- und Feiertage oder Ferien. Warum? Nicht nur, dass der an solchen Tagen wahrscheinliche Besucheransturm weniger Möglichkeiten zur "Entfaltung" bietet. Je voller der Zoo, desto mehr ziehen sich die Tiere in der Regel zurück und sind weniger gut zu sehen, als an normalen Tagen.

Doch ist so ein Tag nicht automatisch sinnlos. Sind einmal sehr viele Menschen im Zoo, suche ich erst die nicht so populären Bereiche auf und bewege mich möglichst gegen den Strom. 

 

„Ich will jetzt aber zu den Erdmännchen. Eeeeerdmännchen, wie süüüüüüüüüüüüüüüß!. Papa, können wir jetzt gehen?“.


9. uhrzeit

Es gibt keine perfekte Tageszeit für einen Zoobesuch. Manche Tiere sind morgens sichtbar und verbergen sich im Lauf des Tages vor den zunehmenden Besuchermengen. Andere sind dagegen vielleicht in der Dämmerung aktiv und erscheinen erst am späteren Nachmittag. Auch Reinigungs- und Fütterungszeiten spielen eine große Rolle, zu welcher Zeit die Tiere am besten zu beobachten sind.

Natürlich sind die Morgen- und Abendstunden wegen des schöneren Lichteinfalls immer empfehlenswert. Jedoch liegen manche Gehege dann noch oder schon komplett im Schatten. Hier heißt es schlicht, eigene Erfahrungen zu sammeln.

  Bietet Ihr Zoo gelegentlich verlängerte Öffnungszeiten an? Dies kann eine ideale Gelegenheit für ungewöhnliche Bilder sein.


10. wetter

Trübe Tage bringen schlechte Lichtverhältnisse mit sich. An einem wolkenverhangenen Tag reicht das Licht selbst unter freiem Himmel schnell nicht mehr zum Fotografieren aus. Auch sind die Tiere oft weniger aktiv, als bei Sonnenschein.

   Trübe Tage versprechen andererseits aber leere Zoos. Die Tiere zeigen dann oft ein verändertes Verhalten oder besetzen andere Stellen im Gehege, wodurch sich vielleicht wieder neue, interessante Motive ergeben.

   Selbst bei schlechtem Wetter bleibt immer noch die Möglichkeit, in aller Ruhe in den deutlich leereren Häusern zu fotografieren.

   Strahlender Sonnenschein ist aber auch kein Garant für tolle Bilder. Gerade die Mittagssonne kann schnell zuviel des Guten sein und die Motive überstrahlen oder die Hitze treibt die Tiere in die Häuser!

Dammwild - wetterfest!
Dammwild - wetterfest!

11. iso-automatik

Auch wenn sie nicht immer frei von Tücken ist: ich nutze die ISO-Automatik im Zoo regelmäßig.

   Denn ich habe schon häufig Situationen erlebt, in denen mir nur wenige Sekunden für ein gutes Bild geblieben sind, da das Tier sofort die Position geändert hat. Hätte ich die ISO erst manuell auf den idealen Wert einstellen müssen, wäre mir das Motiv in diesen Fällen entgangen.

  Außerdem verändern sich die Lichtverhältnisse bei einem Rundgang im Zoo ständig. Mal befindet sich ein Motiv im Sonnenlicht, mal im Schatten. Eben ist man am Freigehege, dann in einem Gebäude. Da vergisst man schnell einmal auf die ISO zu achten und schon geht ein Bild verloren. Auch ist es ärgerlich, wenn man zuhause feststellt, eine ganze Serie versehentlich mit falscher ISO geschossen zu haben.

Ein unnötig hoher ISO-Wert drückt die Bildqualität. Er verstärkt das Bildrauschen und senkt den Dynamikumfang. Bei einer zu niedrigen ISO verwackelt das Bild möglicherweise. Machen Sie mit Ihrer Kamera vorab ein paar Testbilder mit verschiedenen ISO-Werten und werten Sie die Bilder in Ruhe am PC aus. 

   Den höchsten ISO-Wert, bei dem die Bildqualität noch ausreichend gut ist, bzw. die Nebenwirkungen in der Nachbearbeitung noch gut zu korrigieren sind, nehme ich als Höchstwert für die ISO-Automatik, den ich nur in Extremfällen und dann auch nur ganz bewusst manuell überschreite.

   Erst wenn erkennbar ist, dass mir das Motiv ausreichend Zeit für weitere Aufnahmen lässt, optimiere ich die Einstellungen von Hand. Und stelle dann hoffentlich wieder auf Automatik ;o) 


12. serienbilder

Moderne Kameras lassen Serienbilder in hoher Geschwindigkeit zu. Serienbilder können hilfreich sein, um vielleicht den besonderen Moment des Blickkontaktes zu erwischen, um das eine Bild zu haben, das schlussendlich das entscheidende Quäntchen schärfer ist oder jenes, auf welchem das Tier die schönere Pose zeigt.

   Ich selbst schieße gerne kurze Serien um die 3 Bilder im langsamen Modus. So sinkt das Risiko, dass Bilder verwackelt sind oder die Tiere in in dieser Sekunde die Augen geschlossen hatten. Tiere in "Action" berechtigen auch zu längeren, schnellen Serien!

   Ich kann aus 3 Gründen aber nur davon abraten, den Finger ständig auf dem Auslöser zu halten und minutenlange Serien zu schießen. Erstens hat das mit bewusster Fotografie nichts mehr zu tun. 

Zweitens verlieren sie schnell den Spaß daran, aus Hunderten das eine Bild auszuwählen. Häufig verstopfen diese Serien unbearbeitet den heimischen Rechner.

   Drittens wird die Lebensdauer einer Spiegelreflexkamera in der Zahl ihrer Auslösungen gemessen. Dazu zählen auch alle unnütze geschossene Bilder!!!

   Aber: wenn Sie glauben, das Bild des Tages geschossen zu haben und das Motiv Ihnen Zeit für 2-3 weitere Bilder lässt, nutzen Sie die Gelegenheit! Ich musste schon oft feststellen, dass die Bilder auf dem Display der Kamera besser aussahen, als bei der Sichtung am PC. Häufig war ich froh, weitere Bilder gemacht zu haben, die doch noch den entscheidenden Hauch besser waren.


13. bildkomposition / annäherung an die tiere

Jeder Mensch hat seine eigene Auffassung von gelungenen Bildern und das soll auch so sein. Meiden Sie aber, Tiere immer aus dem gleichen Blickwinkel zu zeigen. Wechseln Sie zwischen Tierportraits  und Bildern, die ein Tier in seiner Umgebung zeigen, soweit dies Ihre Objektive und die örtlichen Gegebenheiten zulassen. 

   Vom Gehege sollte so wenig wie möglich zu erkennen sein. Also keine Futterstellen, Gitter oder ähnliches. Im Idealfall sollte man eine Aufnahme im Zoo nicht von einer in freier Wildbahn unterscheiden können!

   Bilder werden dann für den Betrachter besonders spannend, wenn die Augen der Tiere sichtbar sind bzw. sogar Blickkontakt besteht. Dies gilt vor allem für Tierportraits. Rückansichten von Tieren mögen vielleicht den momentanen Jagdtrieb befriedigen, werden spätestens zuhause aber doch aussortiert.

   Je näher man den Tieren kommen möchte, um so wichtiger ist es, dabei auf ihre Reaktion zu achten. Wenn sie dabei den Kopf wenden, aufstehen oder gar den Standpunkt verändern, sollte man sich den nächsten Schritt sparen, das Tier wird sonst in Deckung gehen. Bei der ersten deutlichen Bewegung des Tieres innehalten, vorsichtige Bewegungen mit der Kamera machen, zur Sicherheit ein erstes Bild schießen. Entspannt sich das Tier, kann man einen weiteren Schritt wagen. Dabei niemals frontal auf ein Tier zulaufen. Dies signalisiert eine Bedrohung und verleitet selbst abgehärtete Zootiere zur Flucht.

Blickkontakt
Blickkontakt

Besser ist es, Desinteresse zu heucheln, und sich indirekt, etwa im Zickzack, auf das Tier zuzubewegen und die Kamera dabei seitlich zu halten. Vermeiden Sie dabei direkten Blickkontakt. Mag lustig klingen, hilft aber sehr.

   Wenn ich die Kamera hochnehme, tue ich das seitlich zum Tier und drehe mich dann langsam zu ihm hin. Dabei kann es vorkommen, dass das Tier neugierig auf die Kamera wird und von sich aus zu mir schaut oder gar näher kommt. Das ist der Moment, auf den man vielleicht schon lange gewartet hat. 

 

"Aber Oma, Meerschweinchen an Land, das geht doch gaaaaar nicht!"


14. bildauswahl + bearbeitung

Seien sie vom ersten Tag an streng mit sich! Sichten sie Ihre Bilder und sortieren alle nicht gelungenen Fotos aus. Selbst ein bisschen scharf ist unscharf! Beweis- oder Erinnerungsbilder sind nur sinnvoll, wenn man das Bild später gegen gelungene Aufnahmen austauschen möchte. Ansonsten wächst Ihnen die Menge an Bildern schnell über den Kopf.

   Überlegen Sie stets, was Sie mit Ihrem Bild zeigen möchten und ob Ihnen das in jedem Einzelfall gelungen ist. Bilder, die anderer Bilder zu ihrer Erklärung bedürfen, funktionieren nicht und gehören daher aussortiert!

   Vergleichen Sie alte und neue Bilder mit den gleichen Tieren stets miteinander und sortieren Sie die weniger gelungenen aus! Wenn Sie den Vorgang mit einigem zeitlichen Abstand wiederholen, erleichtert das die Auswahl deutlich.

   Seien sie nicht enttäuscht, wenn nach einem Besuch vielleicht nur eine handvoll brauchbarer Aufnahmen übrig bleiben. Das ist ein ganz normaler Schnitt.

Ich kenne Fotografen, die größten Wert darauf legen, dass ihre Bilder bereits "out of cam" perfekt sind, also keiner oder nur minimaler Bearbeitung bedürfen. Das ist ein edles Ziel.

 Ohne in diese Grundsatzdiskussion einsteigen zu wollen: ich arbeite immer daran, bereits in der Kamera ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Doch ich erlebe die Zoofotografie als sehr ereignisabhängig, soll heißen, es bleibt für ein Bild oft nur sehr wenig Zeit. Meist zu wenig, um die optimalen Einstellungen zu finden. Ganz besonders der Weißabgleich ist wegen der verschiedenen Lichtquellen in einem Zoo schwer über die Kamera zu beurteilen und zu steuern.

   Wenn sie an der Zoofotografie gefallen finden, trauen sie sich doch auch an das Thema "Bildbearbeitung" heran. Sei es auch nur, um die Bilder vielleicht noch schöner zu machen, als sie es ohnehin schon sind :o)

 

Der Enkel zur Oma: „Wo sind denn die wirklich gefährlichen Fische? Die mit FEUER oder GIFT?“


15. geduld

Zu guter Letzt: erwarten Sie bitte nicht, gleich bei ein und demselben Zoobesuch jedes Tier optimal vor die Linse zu bekommen. Ich lese immer wieder Bewertungen mit Beschwerden, man habe viele Tiere nicht sehen können. Es spricht für die Qualität eines Zoos, wenn die Tiere über genügend Rückzugsräume verfügen und sich somit einmal „unsichtbar“ machen können.

   Gehen Sie dort doch einfach auf dem Rückweg noch einmal vorbei. Oder nutzen Sie die gewonnene Zeit, um bei Tieren vorbeizugehen, die sie gar nicht auf Ihrer Liste hatten. Manche Tiere "erwischt" man aber so oder so erst beim x-ten Besuch.

Sind Tiere gut sichtbar oder besonders aktiv, nehmen sie sich Zeit zur Beobachtung. Schießen sie nicht nur 2 Bilder und gehen dahin, wo es dann vielleicht nichts mehr zu sehen gibt. Manche Tiere gewöhnen sich schnell an den Menschen vor dem Gehege und geben dann noch viel schönere Motive ab. Häufig merkt man erst viel später, dass eine solche Szene einmalig war.

 

 Ein Junge, seinem Vater vorweglaufend: „Gesehen, nächster! Gesehen, nächster! Gesehen, nächster! Gesehen, nächster!...“  (Stimme verschwindet in der Entfernung).



Wenn Sie jetzt noch einen guten Tag erwischen und Sie dazu von Besuchern verschont bleiben, die meinen herumschreien, gegen Scheiben schlagen oder mit blitzenden Handys Selfies vor den Gehegen machen zu müssen, entstehen bestimmt ein paar gute Aufnahmen. Lassen sie sich überraschen.

 

Besucher zu seinem Freund: „Ey, ALTER! Hast Du den blöden Affen gesehen? Der guckt voll dämlich!“. Er haut gegen die Scheibe und ruft „Ey, Du blöder Affe!“.

  Viatu, der Silberrücken des Frankfurter Zoos, wirft mir einen Blick zu und verdreht die Augen, als wolle er mir sagen: „Ja, ich habe ihn gesehen!“

Viatu - genervt!
Viatu - genervt!


Ich freue mich über Ihre Kommentare und Anregungen:

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