horizont


Für jemanden wie mich, der irgendwo tief im Inland lebt, ist der Blick auf den unverstellten Horizont eine seltene Angelegenheit. Vielleicht fasziniert mich diese Grenze zwischen Himmel und Erde allein schon deshalb.

   Der Anblick des Horizonts hat für mich etwas befreiendes. Zunächst verlieren sich der Blick, wie die Gedanken in der Ferne. Sobald sich die Augen an die ungewohnte Freiheit gewöhnt haben, findet man nach und nach in der vermeintlichen Leere Farben, Formen oder Strukturen, die vorher nicht aufgefallen sind.

Am spannendsten und auch fotografisch wirklich interessant wird es, wenn Tageszeit und Wetter die Pinselführung übernehmen und in die Farbgebung und die Bildkomposition eingreifen. Das Spektrum reicht von schlichter grafischer Linienführung bis hin zu opulenten Szenen, die jedem alten Landschaftsmaler zur Ehre gereichen.

   Dann ist die Trennung aufgehoben, Himmel und Erde verschmelzen für einen kurzen Augenblick zu einem natürlichen Gesamtkunstwerk. Bald schon nimmt der Horizont wieder seinen gewohnten Zustand ein, als wäre nie etwas gewesen.



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